SKS-Ausbildungstörn

Eine Aufführung in 2 Akten

Prüfungsangst? Wir doch nicht

Nach einigen Angeboten, einen SKS-Ausbildungstörn durchzuführen, war es soweit: Ich reise nach Mallorca, um diesen Job zu übernehmen. Vor einem Jahr habe ich meinen ersten gewerblichen Törn in diesem Revier übernommen, so liegt es nahe, auch diese Premiere in Mallorca durchzuführen.

Der Start war durchwachsen. Im vorigen Jahr haben wir den Törnabschluss im Restaurant Pesquero gefeiert. Die vegetarische Paella in der Variante meloso, also mit etwas Soße, war ein Traum. Zudem ist das Restaurant direkt am Hafen und ermöglicht einen tollen Blick über die festliegenden Segelboote. Diesmal allerdings schienen die Preise ordentlich angezogen zu haben, zudem waren die Portionen bescheidener als im Vorjahr. Lecker ist es trotzdem.

Im Vorgespräch haben wir die Vorkenntnisse und Erwartungen abgeklopft. Dass man die praktische vor der theoretischen Prüfung absolvieren kann, hatte mich gewundert, welche Nachteile dies birgt, werde ich noch aufzeigen. Zudem waren bei einigen Teilnehmern die vorgeschriebenen 300 Seemeilen noch nicht erfüllt. Keine leichte Aufgabe, die fehlenden Meilen einzufahren und dabei noch ausreichend Zeit in Hafen- und Mob (Person über Bord)-Übungen zu investieren.

Am ersten Tag stand ausgiebiges Manövertraining auf dem Programm. Zudem haben wir einen weiteren wichtigen Aspekt der Segelei perfektioniert: Die gute Seemannschaft. Und das war für uns bei der tollen Gruppe eine leichte Übung. Aber zurück zum Training: Unsere seitlichen Anlegemanöver haben wir im Gewerbeteil des Hafens von Palma absolviert. Ob das der perfekte Ort war, wage ich zu bezweifeln. Dicke Nutzfahrzeugreifen als Poller und verrostete Festmacher haben den Adrenalinpegel leicht erhöht. Aber wenn es schwierig klappt, wird es einfach einfacher. Oder so ähnlich.

Nach ausreichendem An- und Ablegen geht es dann hinaus aus dem Hafen, die Segel werden gesetzt und - endlich - schweigt der Motor. Trainiert werden die ersten Wenden und Halsen, um das Schiff Alboran Kaipiroska, eine Sun Odyssey 440, weiter kennenzulernen. Abends wird wieder im Hafen von La Lonja in Palma angelegt.

Vorbereitung und Meilen sammeln

Der nächste Tag dient neben einigen MOB-Manövern dem Abreißen einiger der noch erforderlichen Seemeilen, Ziel ist wie bei mir üblich die südlich von Mallorca liegende Isla Cabrera. Die Boje ist über die offizielle Website reserviert, was in der Hochsaison nicht immer so einfach ist. Der obligatorische Besuch des Kastells mit dem schönen Blick über die Ankerbucht der Insel wird in der Dämmerung absolviert.

Um die Südspitze Mallorcas herum setzen wir unsere Übungen bis Porto Petro fort. Ursprünglich war eine Nacht vor Anker angedacht, allerdings sind dort größere Felder von Seegras vorhanden. Als Naturliebhaber weiß man, dass die Seegrasfelder zu schützen sind. Da einige Wassersportler darauf aber nicht so großen Wert legen oder sich nicht hingehend informieren, wird man mittlerweile bereits bei der Übergabe der Yacht eindringlich darauf hingewiesen. Ich nutze gerne die Posidonia Maps App von Vellmari.

Allerdings finden wir keinen freien Spot und legen uns an eine Boje an der Ostseite der Cala.

Mittwochmorgen machen wir uns auf den Rückweg, trotz Trainings der erforderlichen Prüfungsmanöver haben wir ausreichend Zeit, die seglerischen Fähigkeiten zu schärfen. Unterschiedliche Windstärken als auch die Ablenkung nahe der Küste lehren uns, wie wir durch Segeltrimm und Routenplanung gegen den Wind vorankommen. Mittendrin auch einige Urlaubscrews, die uns ermöglichen, die richtigen Verhaltensweisen anzuwenden, wenn das Gegenüber die Wegerechtssituation falsch einschätzt. Man könnte auch sagen: Pennt. Oder keine Ahnung hat, was Regeln zur Kollisionsverhütung (KVR) sind. Aber auch diese Situationen sind eine wichtige Erfahrung für die Prüfungsvorbereitung.

Abends dann endlich den Anker geworfen, zu dieser Zeit noch alles andere als mein Steckenpferd. Südöstlich des Hafens Sa Rapita, der belegt war, liegt ses Covetes. Der Strand el Trenc ist malerisch, aber auch dort liegen bereits einige Boote. Wir lassen den Anker mit Abstand zu den verlegten Unterwasser-Stromkabeln fallen und ich bin zufrieden mit dem Liegeplatz, nur unser Kartenplotter nicht. Seiner Meinung nach sind wir zu nah am Kabel. Und wieder etwas gelernt. Die Navigationsinstrumente unterscheiden sich in Bedienung und Funktionsumfang. Unmöglich, diese Feinheiten bei der Übernahme durchzusprechen. Also Anker auf und etwas entfernt ein neuer Versuch - diesmal liegen wir fest.

Meine Befürchtung, von morgens bis abends zu büffeln und sich ausschließlich mit der bevorstehenden Prüfung zu beschäftigen, hatten sich indes nicht bestätigt. Unsere Crew war mit Feinschmeckern und guten Köchen durchsetzt, sodass tollen Abenden nichts im Wege stand. Zudem konnten wir schnell feststellen, dass die Chemie untereinander gestimmt hat und der Spaß nicht zu kurz kam.

Der Prüfungstag

Bestens vorbereitet ging es morgens zur Prüfung. Diese sollte man ausgeruht, konzentriert und fokussiert angehen. So weit, so gut. Ich soll die Prüfer am Eingang der Marina abholen. Da kommt aber niemand. Ich frage noch einmal nach und erhalte Koordinaten, an denen die Prüfung stattfinden soll. Beim Blick auf die Karte markiere ich mir einen Ort mitten auf dem Festland. Und fange an, etwas genervt zu werden. Das kann doch nicht wahr sein...

Leider ist die Folge auch, dass ich nervös werde. Das soll sich auf die Prüflinge nicht übertragen. Also noch ein paar Telefonate geführt und in etwa einen Startpunkt mitgeteilt bekommen. Um die Männer an Bord noch etwas zu schonen, steuere ich das Boot an den vereinbarten Anleger. Obwohl - das ist eine Betonmauer der Hafenpromenade, nie wäre ich auf die Idee gekommen, dort anzulegen. Ist es auch wirklich tief genug hier? Passt, wenn auch gerade so. Also die Prüfer an Bord genommen, und schon geht es los. Wer ist der Skipper hier? Schüchtern hebe ich den Finger hinter dem Steuerrad. Wieso steuerst Du das Boot? Das sollen die Prüflinge machen... jaja... schon gut.

Also Steuer vorschriftsmäßig übergeben, ich gehe mit dem einen Prüfer hinunter, zeige meine Papiere und gleich kommt ein - Du hast keinen gültigen Schein! Wie bitte? Er drückt es mir in die Hand und sagt, ich solle selbst schauen. Was will er denn jetzt von mir. Oh... da ist ein Feld, in dem ich unterschreiben soll, und das ist leer. Nachdem der Original-Befähigungsnachweis verschlissen war und ich mir einen neuen habe ausstellen lassen, habe ich da doch nicht mehr reingeschaut. Die Art und Weise, wie Prüfer mit einem umgehen, erquickt mich mal wieder.

Während dieses Vorgangs macht es einen ordentlichen Rumms. Oh shit... Das war wohl ein Anleger der üblen Art. Gleich wird es auch etwas lauter draußen... Unsere Übungen vor der Prüfung waren eigentlich vielversprechend, zeigen da meine sonst so coolen Männer etwa doch Nerven?

Noch eine Anekdote dazu:

Während wir Boje über Bord geübt hatten, kam die Frage auf, wie man das denn macht, wenn man zu zweit unterwegs ist und eine(r) über Bord geht. Da kann man ja mal ein „dann macht man das allein, kein Problem“ heraushauen. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass ich die Forderung nach „zeig mal“ nicht wegdiskutieren kann. Also gut. Das muss jetzt klappen... Und als die Boje an Bord war, war ich stolz auf mein perfektes Manöver und dachte, das mache ich im Schlaf. Eine Woche später bin ich mit anderer Crew unterwegs, ein verloren gegangener Fender schwimmt durchs Wasser und ich fühle mich bemüßigt zu sagen „ich zeige Euch mal, wie man den jetzt allein einsammelt“. Nach drei gescheiterten Versuchen mit den besten Ausreden, was da gerade schief gelaufen ist, war ich wieder auf dem Boden der Tatsachen. Es ist gar nicht so leicht, bei einem hastigen Manöver an alles zu denken und alles im Griff zu haben. Nicht gerade vertrauensbildend für die Crew, das haben mir auch die Blicke gezeigt... Aber wenn es mal während der Prüfung schief geht: Nicht verzweifeln, überlegen, was dazu geführt hat, dass die Boje noch im Wasser liegt und hoch konzentriert an den nächsten Versuch.

Für eine gute Prüfungsvorbereitung und den Vorbereitungstörn möchte ich folgendes empfehlen:

Schaut Euch die Theorie an. Auch, wenn diese Prüfung erst zu einem späteren Zeitpunkt abgelegt werden soll, ihr werdet während der Praxisprüfung mit beliebigen Theoriefragen behelligt.

Macht Euch Gedanken über das Mann über Bord unter Segeln. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Die Q-Wende soll am kompliziertesten sein, wir hatten das damals aber bis zum Abwinken geübt und ist mein Standard geworden. Heute wird aber auch das Quick-Stopp-Manöver gefordert (und von einigen Prüfern sogar bevorzugt). Es sind somit einige Varianten gefragt, nur unter Segeln, mit Motorunterstützung... Was während der Prüfung abverlangt wird, lässt sich vorher nicht genau sagen, also einfach alles üben und sich darauf mental vorbereiten.

Überlegt Euch, warum ihr was macht. Normalerweise wird die Boje, kurz bevor die Yacht gegen den Wind aufstoppt, leicht auf Lee aufgenommen. So einschlägige Lehrbücher. Bei unserer Prüfung meinte die Prüferin, sie will von uns nicht in Lee aufgenommen und das Boot auf sich zutreiben sehen, ergo ihr einfach das Manöver mit Aufnahme in Luv parat haben. Die Boje treibt bei Wind sowieso schneller als unsere Yacht, somit kommt die Boje auch auf uns zu und lässt leichte Ungenauigkeiten zu. Das kann man trefflich diskutieren, deshalb ist es gut, mehrere Varianten zu kennen und auch begründen zu können.

Auf jeden Fall: Euch Allen viel Erfolg bei der Prüfung!