
Kapverden
Die Reise Teil 2
Reisebericht Kapverden
Der krönende Abschluss
Pause in Mindelo und Crewänderung. Katha und Alex verlassen uns, dafür stößt Kristian dazu. Nach dieser Ankernacht brauche ich etwas Erholung. Noch ein tolles Abendessen mit lauter Musikuntermalung und ab in die Koje. Am nächsten Tag haben wir die Gelegenheit, Mindelo zu erkunden und noch etwas Afrika-Stimmung aufzunehmen. Diese schlägt abends allerdings um. Aufgrund der Reisebeschreibung des Veranstalters, der die gesamten Kapverden in den bestem Licht anpreist, möchte ein Großteil der Crew zu den südlichen Inseln. Ich halte diese Idee zwar für äußerst ambitioniert, wenn wir aber alle damit einverstanden sind, noch die eine oder andere Nacht durchzusegeln, scheint es mir machbar. Allerdings ist mir auch klar, dass wir eine sehr lange Strecke gegenan segeln müssen. Bei den Erfahrungen auf der Kreuz Richtung Mindelo und dem minimalen Höhengewinn vielleicht doch keine gute Lösung.
Zum Glück verweist Carsten darauf, dass er diese Reise nicht mitmachen wird. Dass wir uns nicht trennen, ist klar, und ohne ihn wird die Mannschaft auch zu klein, um die Herausforderung zu stemmen. Nach langen Diskussionen bis kurz vor eins in der Nacht einigen wir uns, die Idee der langen Route in den Süden zu verwerfen. Die Stimmung an Bord hat allerdings eine kräftige Beule erhalten. Und ich muss gestehen, dass mich das ordentlich „runtergezogen“ hat.
Landgang und andere Probleme
Tagsüber hatte ich versucht einzuklarieren, werde aber von der Polizeistation an die am Fährhafen gelegene Station verwiesen. Ganz dem Motto „no stress“ folgend verschiebe ich das dann auf den Samstag. Erfolgreich kann ich aber endlich meine CVmovel-Karte aufladen und muss mich nicht mehr auf den liebenswürdigerweise von Carsten zur Verfügung gestellten Hotspot verlassen. Acht Gigabyte Datenvolumen für 10 Euro, das erscheint fair.
Das Einchecken in der Marina verzögere ich ebenfalls nach diesem Motto, Nunu, der freundliche Marina-Mitarbeiter, lacht darüber. Als ich dann aber 5 Minuten vor seinem Dienstschluss endlich eintreffe, ist er schon in Jacke und will los. Also fehlt es nicht an der Pünktlichkeit, nur wofür diese gilt, ist unterschiedlich. Feierabend gehört nachweislich dazu.


Bevor wir ablegen, lasse mich noch zur Policia maritim führen. Ein Mitarbeiter im „Notdienst“ macht mir klar, das Einklarieren möglich ist, das gewünschte Ausklarieren geht aber am Wochenende nicht. Ich hätte aber so ein schönes T-Shirt an. Ernsthaft? Meine Erinnerung an eine ausgerichtete Regatta und meinem ehemaligen Arbeitgeber. Alles was recht ist, aber das Shirt möchte ich behalten. Die Bootspapiere bekomme ich nicht mehr ausgehändigt. Großartig. Also was tun? Kurzfristig überlege ich mir, dass wir an den westlichsten Punkt Afrikas, die Insel Santo Antão, für eine Nacht reisen könnten, Sonntagabend wieder nach Mindelo fahren und ich am Montagmorgen ausklariere. So machen wir das dann auch.
Schon wieder Änderungsbedarf
Durch die Meerenge und die Düse geht es zügig Richtung Süden. In der Abdeckung von Santo Antão zeigt uns der Wind, dass er auch sanft und vor allem aus allen Richtungen wehen kann. Nach einigen Versuchen, unter Segeln das Kap anzusteuern, werfen wir kurz den Motor an, bis wir wieder in segelfähigen Winden einfahren.
Mein großartiger Support aus der Ferne begleitet uns und spricht die Warnung aus, nicht noch weiter die Westküste emporzuklettern als den Ort Tarrafal. Gab es doch auf der Insel São Nicolau auch? Stimmt, hier hat fast jede Insel ihr Tarrafal. Keine Experimente, rät Skipper Marko mir, der dieses Revier mehrfach befahren hat und mir wertvolle Tipps geben kann.


Der Hafen von Tarrafal, der auch wieder nur Ankerplätze bietet, wartet mit einer beeindruckend bis beängstigenden Brandung auf. 5 Seemeilen weiter nördlich gibt es noch einen Ankerplatz. Monte Trigo nennt sich der Ort. Über Navionics sehen wir noch einen Hinweis: With luck - buoy. Sollen wir das Glück mal auf die Probe stellen? Keine Frage, ich möchte es versuchen.
Was dann kommt, treibt mir fast die Freudentränen in die Augen. Nach der ganzen Aufregung der vergangenen Tage kann ich im Fernglas 2 oder 3 große Muringbojen entdecken. Auch bewegt sich ein Ruderboot in unsere Richtung. Nach dem Einholen der Segel wird dann auch erkennbar, dass zwei Festmacherleinen an der Boje schwojen. Das ist die Garantie für eine ruhige Nacht. Die beiden Männer im Ruderboot möchten dafür eine Gebühr entrichtet haben. So, wie sie sich nach der Frage des Preises anschauen, ist das ein Geschäft auf Verhandlungsbasis. Oder wir sind die ersten, die ihnen eine solche Frage stellen. Umgerechnet 10 Euro bezahlen wir dafür und bekommen gleich noch einen Transfer in den Ort angeboten.
Fast pünktlich werden wir dann wieder mit dem Ruderboot abgeholt und an Land gebracht. Nicht einfach bei der Brandung, aber nichts gegen das, was in Tarrafal zu beobachten war. Von den Dorfeinwohnern begrüßt begeben wir uns an Land und bekommen gleich noch eine ausführliche Dorfbesichtigung. Die geografische Lage ist schwer beeindruckend. Das Dorf Monte Trigo erhebt sich vom Strand an einem Hang, dessen Bergspitze beinahe 2.000 Meter aufragt. Nur ein abenteuerlicher Pfad führt aus dem Dorf. Man ist vollkommen von der Zivilisation abgeschnitten, so meint man. Uns werden große Solarpaneele gezeigt, die das Dorf mit Strom versorgen, eine Schule, eine kleine Pension. Wirklich ein verzückender Ort. Auf dem Weg zum Abendessen, welches wir in einem großen zweistöckigen Haus auf der Dachterasse einnehmen, geht es noch über den Bolzplatz des Ortes. Und ich darf einen auf mich zurollenden Ball mal Richtung Tor hauen. Ein Spiel auf dem westlichst gelegenen Bolzplatz ganz Afrikas - was für ein erhebender Moment!
Das Abendessen mundet köstlich, die Sonne versinkt im Meer, Fischerboote liegen am Strand. Fast schon kitschig muten diese Momente an.
Der westlichste Ort Afrikas: Monte Trigo







Damit wir nicht wieder südlich in die problematische Kreuz geraten, wollen wir Santo Antão umrunden. Wir verlassen die Ankerbucht unter besten Bedingungen. Als wir aber aus der Abdeckung heraus sind, zeigt uns der Atlantik mal, was er so drauf hat. Wir motoren gegenan und quälen unsere Segelyacht mit einigen Schlägen in den entgegenkommenden Wellen. Einige Stunden stampfen wir so gegenan, an Segeln ist nicht zu denken, und die Brecher, die an die Küste knallen und meterhohe Fontänen bilden, dokumentieren die Kraft der See. Meine Vorstellung, auf dem nordöstlichen Kurs zu segeln, muss ich verwerfen. Durch die hohen Berge direkt an der Küste wird der Wind so abgelenkt, dass wir ihn immer auf die Nase bekommen. Endlich erreichen wir den nördlichsten Punkt der Kapverden, den Ponta do Sol. Hier soll man die schönsten Sonnenuntergänge sehen können, zum Glück sind wir aber diesmal nicht so spät dran.
Noch etwas üble Schaukelei, dann können wir endlich unser Tuch herausziehen und dem Motor eine Pause gönnen.
Der Wind zeigt sich zahm, aber mittlerweile weiß ich, dass sich das in der Düse zwischen den beiden Inseln sicher ändern wird. Nicht lange, dann geschieht auf achterlichem Kurs genau das. Wir haben zwar ein Reff im Groß, aber die Genua bietet ihre gesamte Segelfläche an und wir rocken, immer mal die 10 Knoten auf der Geschwindigkeitsanzeige, mit bis zu fast 40 Knoten Wind zum Ziel. Ich bin erstaunt, was unsere Prosecco aushält, es macht nicht den Anschein, als würde sie uns die Besegelung übel nehmen.




Bevor wir auf Halbwindkurs gehen, wird die Genua großzügig eingerollt, das wäre sonst des Guten deutlich zuviel. Wieder vor der Marina Mindelo verhallen diesmal meine Funksprüche auf Kanal 72 unbeantwortet. Also suchen wir uns einen für diese Winde geeigneten Liegeplatz und ich bitte andere Bootsbesatzungen, uns beim Anlegen zu helfen. Nach kurzer Zeit ist dann aber doch ein Marinero da, man hat mich gehört, aber nicht geantwortet. Egal, schnell liegen wir an einigen Festmacherleinen. Es ballert wieder sprichwörtlich.
Noch zwei Segler kommen mit den gleichen Verständigungsproblemen in den Hafen und versuchen festzumachen. Einer davon ist Johannes Li, der kurz zuvor seine Weltumseglung gestartet hat. Leider komme ich nicht in den Genuss, mich mit ihm weiter auszutauschen, das wäre sicher spannend geworden. Auf seiner Website lese ich einige interessante Dinge nach. Er ist Autist und nimmt die Herausforderung an, sich allein mit den Problemen, die so eine Reise mit sich bringt, auseinanderzusetzen. Respekt. Groß.
Zum Ausklarieren begleitet mich David. Sollte man doch irgendwelche Bestechungsversuche starten, ist man zu zweit besser unterwegs. Ich gebe den Bootsnamen bekannt, auf einmal kommt Big Daddy der Polizeistation und sagt mir, dass wir ja gestern in Santo Antão waren. BIG PROBLEM. Ich hätte dort einklarieren sollen. Ich bin überrascht, dass wir hier so sorgfältig getrackt werden. Und ich versuche ihm klarzumachen, dass wir da, wo wir waren, keinesfalls hätten einklarieren können. Monte Trigo hat ja keine Polizeistation. Der Hafen, wo dies möglich gewesen wäre, liegt auf der anderen Seite der Insel. Illusorisch, da einen Abstecher zu machen, keinen Anleger zu haben und die Station nur für dieses blöde Herumklarieren zu suchen.
Nach 10 Minuten war dann das riesige Problem auf einmal nicht mehr existent, wir haben unsere Papiere samt dem Ausklarierungsformular zurückerhalten und konnten endlich los.
Dachte ich. Wieder schlugen mir die Böen in den Rücken und ein unwohles Gefühl machte sich im Bauch breit. Ich habe noch mit ein paar Skippern gesprochen, wie sie die Wetterlage einschätzen.
Rückreise mit offizieller Erlaubnis
Kritisch, war der Tenor. Und als ich dann noch einen einheimischen Segler auf einem wirklich kleinen Boot angesprochen hatte, der meinte, heute lieber nicht, morgen wäre besser, da reifte die Entscheidung, für einen weiteren Hafentag zu plädieren. Auch Windy zeigte tiefrote Böen an. Die hat man aber auch ohne digitale Helferlein spüren können. Am nächsten Morgen mussten wir dann aber los, um pünktlich in Sal anzukommen. Die Wetterlage hatte sich leider nur geringfügig gebessert.




Der Anfang mit achterlichem Wind war angenehm, die Welle weniger. Aber in der südlichen Abdeckung von São Vincente ließ das Schaukeln deutlich nach. Als wir südlich der kleineren Inselgruppen stark gerefft entlang segelten, habe ich auf dem Meer schon gesehen, was uns da entgegenkommt... Weiße Schaumfäden auf der See, ruppige Böen. Es wurde langsam grenzwertig.
Die schlimmste Phase dauerte etwa eine Stunde, bezeichnenderweise wieder hinter Ilhéu Branco. Dort scheint sich des Öfteren eine harte Wetterlage einzustellen. Je näher unser Ziel rückte, desto mehr wünschte ich mir, dass wir in ruhigere See gelangen. Dass es dann aber so abrupt kam! Der Wind war vom einem zum anderen Moment wie abgestellt, keine Welle mehr, wirklich faszinierend. Die letzten Meter nach Tarrafal auf São Nicolau liefen wir unter Motor und ich habe die gelbe Tonne vor dem Hafen gesucht, neben dem sich gut ankern ließe, wie Skipper Marko mir versicherte.
Leider hat sich dort schon ein Fischerboot niedergelassen. Also Schwojkreis berechnen und Anker ab. Nach den vielen gelungenen Ankermanövern war ich zuversichtlich, aber die Ankerkette ruckte über den Meeresgrund. Das hat dann also noch nicht geklappt. Und da war doch was auf Navily... Nicht vor der grünen Mauer ankern. Mittlerweile hatten wir den Anker so weit gezogen, dass die grüne Mauer fast erreicht war. Ich rufe noch „Abbruch“, genau in diesem Moment hat der Anker eindrucksvoll gegriffen. Der ist jetzt fest. Das wir nun aber doch vor der grünen Mauer eingeparkt hatten, ließ nichts Gutes ahnen. Aber nur unser Schiff war auf Höhe der Mauer, unser Anker weiter östlich, wie der Ankerfender dokumentierte.
Am nächsten Morgen war der große Ritt zu den östlichen Inseln vorgesehen. Wieder deutlich über neunzig Seemeilen, je nachdem, was wir für einen Kurs fahren, sogar über Einhundert. Früh aufstehen war Pflicht, um 4 Uhr waren wir bereit zum Anker heben. Wo ist der Fender denn, haben wir uns so im Kreis gedreht? Nach einem 360 Grad Rundblick war zu befürchten, dass wir ihn verloren hatten. Den Knoten an den Ankerbügel hatte ich selbst angebracht und bin mir sicher, dass der Wasserpalstek ordnungsgemäß angebunden war. Nun ja, erst mal Anker einholen. Es war klar, was kommen musste - mit einem heftigen Ruck hat uns der Anker mitgeteilt, dass er festsitzt. Großartig. Zum ersten Mal nach vielen Ankermanövern ist mir das passiert. Und genau in diesem Moment ist die Sorgleine nicht mehr da. Zur Entlastung eine dicke Leine durch ein Ankerglied und mit etwas Gewalt den Anker befreien. Wieder hat sich eine Leine mit einem Knall nach einigen Versuchen verabschiedet und ist entzwei gerissen. Noch einmal nachgebastelt und neue Versuche.
Mittlerweile haben sich 3 Crewmitglieder zur Beratung am Bug eingefunden, ich bin desillusioniert noch ein paar rückwärtige Kreise gefahren. War da etwas zu spüren? Sicher Einbildung. Gedanklich habe ich mich schon vom Anker verabschiedet, als die Männer vorn noch ein wenig experimentiert hatten und ein „Anker kommt“ erschall. Große Erleichterung machte sich breit, damit hatte ich nicht mehr gerechnet.
Wir konnten eine dreiviertel Stunde verspätet nun in die dunkle Nacht aufbrechen. Ich habe mich mit der Taschenlampe noch etwas am Bug aufgehalten, wer weiß, ob so nah an der Küste noch irgendwelche Tonnen oder Fischernetze ausgelegt sind. Schnell war die Sicherheit wieder da, der Wind kam wieder auf, also an der südlichen Landzunge hoch mit dem Segel. Wie bereits gewohnt schnellt die Windanzeige in kurzer Zeit auf über 30 Knoten. Wird es wieder so ein Ritt wie am Vortag? Die Strecke ist viel länger und führt uns über den offenen Atlantik.
Als wären die Schwierigkeiten der Reise auf einmal abgestellt, kommen wir hervorragend voran, müssen nicht wie befürchtet hart am Wind segeln und haben es mit einer vertretbaren Welle zu tun.
Der Wind wird nun berechenbarer und bläst mit stetigen 25 Knoten, genau das Richtige für die Prosecco. Nach einigen Stunden gesellen sich Delfine zu uns. Mehrere Dutzend, und endlich sehe ich das, worauf ich so lange gewartet habe. Die Delfine springen am Wellenkamm ab und kommen ganz aus dem Wasser. Zum Abschied gibt es etwas entfernt noch zwei Sprünge, die fast unglaublich anmuten. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht fahren wir in den Abend.
Gerade als die Dämmerung einsetzt, erreichen wir unseren Ankerplatz auf der Insel Boa Vista. Ganz in der Nähe unseres Bojenplatzes zu Beginn unserer Reise in einer Bucht legen wir uns in die zweite Reihe einiger ankernder Yachten. Ein ganz neuer Eindruck, waren wir bisher an unseren Ankerplätzen nahezu oder tatsächlich allein. Der Grund in der Bucht Sal Rei bietet Sandboden und damit guten Halt für unseren Anker. Auf den Ankerfender verzichten wir diesmal.
Rückfahrt Richtung Osten nach Boa Vista und Sal
Die vorletzte Etappe führt uns nach Santa Maria auf Sal. Beim ersten Mal haben wir uns noch von der Brandung beeindrucken lassen, diesmal ziehen wir es durch. Nach einer schönen Kreuz und meinem Erreichen der ersten 10.000 Seemeilen, für die ich mir extra mal für ein paar Minuten das Steuer aneigne, erreichen wir am frühen Abend unseren Ankerplatz. Auch hier bietet der Grund mit Sand eine sichere Nacht. Der Schwell hier ist allerdings bemerkenswert.
Nachdem am nächsten Morgen der Anker eingeholt ist, fahren wir an dem schönen Sandstrand von Santa Maria vorbei. Vor uns befindet sich etwas im Wasser. Zwei Taucher versuchen, auf sich aufmerksam zu machen. Die Begleitboote sind allerdings zu weit weg, um sie zu bemerken. Ich habe mich schon bereit gemacht, meinen ersten Seenoteinsatz durchführen zu müssen, man lehnt unsere Hilfe allerdings ab. Ich eile nach unten und hole die Gashupe. Da kommt zwar ein lauter Ton raus, wie man damit irgendwelche Schallsignale geben soll, ist mir ein Rätsel. Irgendwann wird dann aber doch noch ein Schiffsführer auf die beiden aufmerksam und holt sie ab.
Der krönende Abschluss
Die letzte Etappe unterbrechen wir noch einmal in der Baía da Murdeira mit einem Schwimmstopp. Hier will der Anker nicht ganz so gut greifen, wir rutschen einige Meter nach hinten. Aber da wir hier sowieso nur eine Stunde bleiben wollen, nehmen wir das so hin. Hier ist auf jeden Fall die Sperrzone zu beachten, in der Ankern verboten ist.


Nachdem meine Zeit am Steuer mehr als begrenzt war, will ich für ein oder zwei Seemeilen das Ruder übernehmen. Ich habe unser Log in den letzten Minuten genau im Blick gehabt, nach mehrfachen Kontroll - Rechnungen steht es fest: Ich werde nun endlich die 10.000 Seemeilen - Marke überschreiten. Andere schaffen das sicherlich in wesentlich kürzerer Zeit. Aber nicht jeder Urlaubstörn gibt so viele Seemeilen her wie die Kapverden. Vielleicht sollte man die Erfahrungen auch mit anderen Dingen messen. So viele Anlegemanöver, wie ich hinter mir habe, muss der Salzrücken, der ein paar mal über den Atlantik geschippert ist, erst mal hinbekommen. Ich freue mich jedenfalls, diese Marke während dieses außergewöhnlichen Törns überschreiten zu können.
Abends endet dann unsere Tour, wir bekommen eine Boje zugewiesen und auch mein Faux Pax, die Leine über die Reling zu führen ist schnell behoben. Eine beeindruckende und imposante Reise geht zu Ende. Wir haben dem Wind, vor allem den Böen und der rollenden See des Atlantiks der Kapverden getrotzt und sind stolz auf die fast 550 Seemeilen, die wir in den zwei Wochen unterwegs waren.


Epilog


Mein Flieger geht erst in der Nacht vom Sonntag, sodass ich noch einen freien Tag auf Sal habe. Übermütig habe ich Samuel von Alboran Charter angeboten, die kleinen Defekte zu beheben und das Schiff mit ihm auf Vordermann zu bringen. Am Samstagmorgen wartet er schon auf mich. Na dann, Reffleine fixen, ist ja auch immer wieder spannend zu sehen, wo man diese Leine überall entlang führt. Ein paar Mal müssen wir dazu an Land und fungieren als Taxiboot für ankommende Fischer. Ich fühle mich sehr heimisch, ein toller Ausklang. Vor allem, nachdem wir den vorletzten Punkt unserer Arbeitsliste abgehakt und nur noch eins vermerkt ist: Bar! Am Abend muss ich mich dann doch etwas zusammenreißen, damit ich meinen Flieger bekomme. Ich kann mich aber kaum von den vielen großartigen und freundlichen Hunden trennen, die sich zu uns gesellen. Später kommt noch Udo aus der Crew unserer Reise dazu, wir gehen noch einmal in Espargos essen, danach werde ich von Samuel an den Flughafen gefahren.
Ein ereignisreicher Törn mit vielen Erfahrungen und bewegenden Eindrücken geht zu Ende. Beim nächsten Mal heißt es „Willkommen im Wohnzimmer, der Ostsee, auf nach Törehamn und der nördlichsten Tonne der Ostsee!“.




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