
Eesti ja Suomi
Die Reise Teil 2
Reisebericht Estland und Finnland
Der Abschluss
Bevor die Heidi ein paar freie Tage in Helsinki bekommt, wollen wir uns noch ein wenig in den finnischen Schären umsehen und haben ein wenig Luft in unserer Zeitplanung. Allerdings ist es gar nicht so leicht, einen geeigneten Hafen zu finden. Viele sind auf flache Motorboote ausgelegt, so scheint es mir. Erstens wollen wir nicht bei den Motorbooten liegen, zweitens sind die wenigen geeigneten Häfen auch noch geschlossen.
Also hat Luzi mal in einer Segelschule in einem nicht für Gäste geöffneten Hafen angerufen. Der Finne am Telefon, und es sollte nicht der Einzige bleiben, sprach hervorragend deutsch und hat sich für uns auch noch darum bemüht, einen derzeit nicht belegten Liegeplatz für uns zu organisieren, da die ursprünglich dort liegende 57 Fuß Yacht unterwegs sei. Das dürfte ausreichend Platz für uns bieten.
Die Einfahrt sah auf der alten Karte, die ich im Boot gefunden habe, ziemlich flach aus. So habe ich mich noch mal erkundigt, ob ich wirklich die richtige Einfahrt im Visier habe. Nach dem freundlichen Hinweis, dass man nicht nach so alten Karten zu navigieren hat, bekamen wir freies Licht, dort würden alle entlang fahren und es hat bisher immer gereicht. Das konnten wir dann auch bestätigen, sodass wir nach Nokkala bei Espoo gefahrlos einlaufen konnten. Internetrecherchen bezüglich der Gästeliegeplätze in Häfen dieses Reviers empfand ich als sehr aufwändig, da ich fast nur finnisch-sprachige Websites gefunden hatte. Das hat ja was - nicht, dass der Eindruck entsteht, ich hätte die Erwartungshaltung, deutschsprachige Angebote finden. Aber so ein paar Angaben auf englisch hätten schon mehr Sicherheit geschenkt, ob die vorgeschlagenen Übersetzungen der gängigen Programme wie deepl denn passen...
Durch die finnischen Schären
Der Spaziergang durch den Ort hat uns begeistert, wenn das überall so aussieht, ist es kein Wunder, dass die Finnen so glücklich sind. Da nehmen wir auch gerne in Kauf, dass die Preise nicht ganz unseren Gewohnheiten entsprechen.
Nach dem Abendessen noch ein paar Fotos und einen Spaziergang an der Promenade gemacht, dann haben wir den Abend auf dem Boot ausklingen lassen. Schnell noch zum Zähneputzen auf das Gelände und ups - unsere Verbindung vom Steg zum Hafen war gekappt, jemand hat die Tür versperrt. Und das Metallgitter war so ausladend, dass man hier mal nicht eben schnell hinüberklettern konnte.
Diesen Zustand haben wir am nächsten Morgen auch vorgefunden. Vermutlich ein Zeichen, dass man Gastfreundschaft nicht überstrapazieren sollte. Oder einfach jemand abends alle Tore verschlossen hat mit der Ansicht, dass die Liegeplatzinhaber schon einen Schlüssel haben werden.
Dann heißt es auf nach Helsinki, zur Eishockey-WM! Sind ja nur ein paar Seemeilen.


Am nächsten Morgen hat sich der Sonnenschein, der uns regelmäßig beim Anlegen begrüßt hatte, wieder hinter einer nebligen Landschaft verzogen. Ein wenig gespenstisch haben sich uns die Schären dadurch gezeigt. Aber nach einer halben Stunde war dieser Spuk auch wieder verzogen. Allerdings hat sich der Wind wieder verstärkt. Und da wir bei unserem Zickzack-Kurs nicht allzu viel Geschwindigkeit aufnehmen wollten, haben wir der Genua eine kleine Arbeitspause gegönnt. Auch hier beeindruckend, wie gut sich die Hanse hat steuern lassen.


Unser Ziel Helsinki hatten wir schnell im Blick und ebenso schnell erreicht. 14 Uhr und schon anlegen, bei dem tollen Wind? Lieber nicht, da können wir noch eine Ehrenrunde um eine der vorgelagerten Inseln drehen. Die Einfahrt zum Hafen in Helsinki mit den vielen Fähren konnten wir dabei einmal unbehelligt überqueren und uns danach von ihr fernhalten. Mittlerweile war wieder richtig Musik in den Segeln und wir haben uns an der Kreuz versucht. Nach viermaligem Umlegen konnten wir dann die Einfahrt anpeilen.
Da soll es langgehen? Eine Insel mit einer Festung, auf der anderen Seite eine andere Insel - und wo geht es jetzt durch? Langsam öffnete sich unsere Fahrrinne... Sieht ja spannend aus, und wie verhält sich der Wind dort? Viel Platz für missglückte Manöver war da nicht. Also konzentriert durch und nach Abfall der Spannung diesen Moment genießen. Da muss man einfach mal durchgesegelt sein.

Im geschützten Bereich vor unserem Zielhafen ging es dann aber los. Die Ausflugsboote schienen an der Perlenkette aufgereiht zu sein. Hoffentlich sind die nicht auch der Meinung, ein Segler kann ja schon mal ausweichen. Ging bei achterlichen Winden eben nicht so einfach, will man nicht Gefahr laufen, eine Patenthalse zu riskieren.
Nur noch vorbei an der Eisbrecherflotte und unser vereinbarter Liegeplatz in Katajanokka mit wundervollem Blick auf die Stadt hat sich schon gezeigt. Zum Glück konnten wir zwischen 2 Boxen wählen. Bei der einen hat wieder einer dieser unfassbar hässlichen Plastikbüchsen die Sonne genommen, sodass wir uns mit der anderen Box angefreundet haben. Mir immer wieder ein Rätsel, wie man so etwas besitzen kann. Vermutlich braucht es dazu etwas russisches geschmacksbefreites Blut in den Adern.




Die eishockey-WM


Nach den recht aufwändigen Recherchen zu anzusteuernden Häfen, Passagen, Kurs- und Zeitberechnungen, Wetterbeobachtungen usw. ist es auch einfach mal entspannend, sich auf eine Eishockeyparty zu freuen. Die Finnen sind sehr gastfreundlich, das Aufeinandertreffen von Fans anderer Nationen witzig und das Wiedersehen mit alten Bekannten einfach eine Freude.
Nebenbei ist Helsinki eine Stadt, die man auf sich wirken lassen kann. Schöne Gebäude, ein spannendes Nachtleben, auch wenn es in Bezug auf die Belastung des Geldbeutels etwas Überwindung kostet, sich darauf einzulassen...
Und im Zug wurden kostenlos Schals verteilt... Dies bei einem Ticketpreis von 5 Euro. Das hat sich also mehr als gelohnt, seitdem trage ich den bunten Schal mit großer Freude, was auch auf dem beigefügten Bild zu sehen ist.
Als die große Schar der Slowaken ihr "Slovenskooo" angestimmt hatten, bin ich als einziger Deutschlandfan dazu und habe meinen lautesten DEUTSCHLAND-Ruf erklingen lassen... Erst wurde über mich gelacht, dann kam jemand auf mich zu, klopft mir auf die Schulter und sagt "Respekt". Als Belohnung durften Biggi und ich noch von seinem (selbstgebrannten?) Wodka kosten. Oder besser gesagt: Wir mussten. Das sind einfach tolle Erlebnisse.
Wie üblich verfliegt die schöne Zeit viel zu schnell. Nach 7 mehr oder minder interessanten Eishockeyspielen und viel Sightseeing heißt es Abschied nehmen. Von Luzi, die die Heimreise angetreten hat, und dann noch von Helsinki. Dafür können wir Mel an Bord begrüßen, die sich auf den Weg in Finnlands Hauptstadt gemacht hat, um mit uns die Hanse wieder nach Tallinn zu bringen.


Ganz böse wird es natürlich, wenn man sich bemüßigt fühlt, eine Lokalität anzusteuern, die den gleichen Namen trägt wie unser Boot. Heidis Apreś-Ski-Bar klingt eher nach den Alpen und daher reichlich deplatziert. Aber vielleicht sind dort ja Langlaufski aufgereiht?
Dann doch nicht... Kann ich mich dunkel daran erinnern, dass wir vor über 30 Jahren Witze über deutlich ältere Gäste in unserer Stamm-disco (so hieß das damals) gemacht haben? Dann ist es an der Zeit, sich einmal auf die andere Seite zu begeben. Ach, macht ja doch Freude, sich das Gegockel und Gebalze der Nachwuchsmenschheit anzusehen. Trotzdem ein Grund, nicht allzu lang in diesem Etablissiment zu verweilen.
Aus irgendeinem Grund haben wir leider gar keine Fotos von den vielen angereisten slowakischen Fans im Fundus :-(
Das ist insofern bedauerlich, da wir in Košice zur Eishockey WM 2019 ein völlig hockey-begeistertes Land kennenlernen durften. Wir sind damals mit einem Zug von Poprad nach Košice gefahren, welcher komplett nur für die Eishockey-WM "gebrandet" war.


Ursprünglich wollten wir die östliche Seite von Estland anpeilen, der Wind führt uns aber auf eine andere Route. Lieber einen gemütlichen Halbwindkurs als platt vorm Laken, haben wir uns gedacht. Dass wir abermals längere Zeit am Wind fahren, hätte uns nicht überraschen dürfen...
Da in Finnland die Sonne zu einer Zeit aufgeht, in der man für gewöhnlich noch nicht unterwegs ist, fällt das Aufstehen um 06:00 Uhr gar nicht so schwer. Wir können schwer einschätzen, wie viel Zeit die kalkulierte Strecke von 60 Seemeilen in Anspruch nehmen wird, sodass wir lieber etwas früher ablegen.
Auch der Fährbetrieb läuft auf Hochtouren, wir versuchen lieber nicht, vor der Finnlandia die Fahrrinne zu passieren, was uns einen harten Amwind-Kurs beschert. Als wir das Fahrwasser zwischen den Schären in Richtung WSW erreicht haben, wird es entspannter. Die Genua hat wieder Pause, dennoch machen wir über 5 Knoten Fahrt.
Helsinki nach Jussarö
Der leicht verhangene Himmel verhindert leider, schöne Fotos zu schießen, die Landschaft werden wir aber nicht vergessen. Es hat sich gelohnt, die Wegpunkte akribisch zu erfassen, so können wir unser vorgesehenen Route in Ruhe folgen.
Das Fahrwasser wird immer enger, dadurch aber auch faszinierender, und auch die Sonne lässt sich jetzt blicken. Traumhaft.
Nur mit der Geschwindigkeit beginnt es zu hapern. Also dann doch mal die Genua gesetzt, geht doch. Die Böen erfordern etwas Aufmerksamkeit, insbesondere bei vorgelagerten Inseln pfeift es doch ordentlich. Aber wozu kündigen sich diese Windbooster so schön auf der Wasseroberfläche ab...
Die Sorglosigkeit wird uns dann aber bei einer besonders ansehnlichen Schäre eingetrübt. Ja, dahinter kommt ein wenig Wind, da kann man sich schon mal drauf einstellen. Aber als es dann so weit ist, rutscht eine heftige Böe durch, die ich so nicht gesehen habe. Und schon luvt Heidi so stark an, dass ich meine Ruderbemühungen einstellen kann. Fast hat sie uns komplett in den Wind gestellt. Nicht so schön im engen Fahrwasser, also dann vorsichtshalber die Genua doch wieder einholen und den Twist des Großsegels prüfen.
Nach 10 Minuten wird es wieder zu langweilig, wieder raus mit der Genua und siehe da, jetzt sind die Unterschiede der Windstärke auch nicht mehr so signifikant. Über 7 Knoten Fahrt - purer Genuss, aber ich komme kaum hinterher, meine Wegpunkte aufzurufen. Bestimmt kann das unser Plotter auch automatisch, aber das hat sich mir bislang nicht eröffnet. Muss ich mich wohl doch mal mit beschäftigen, was die digitale Unterstützung so zu leisten vermag.
Unser Ziel Jussarö, eine recht südlich vorgelagerte Insel, kommt dann auch gegen 16:00 Uhr in Sicht. Unser Plotter hält sich sehr bedeckt, was die Anzeige des Hafens und der Anlegemöglichkeiten angeht, das sieht auf den ersten Blick in der Realität etwas anders aus. Tatsächlich, da wurde wohl im letzten Jahr ein neuer Steg installiert. Umso besser, das Anlegen ist in einer Box ein Kinderspiel.
Die Sonne hat nun einen komplett freien Blick auf uns und beschenkt uns mit atemberaubender Natur. Wir sind natürlich wie üblich fast allein auf der Insel, nur ein Naturbursche schleicht zwischen den Bäumen herum.
Die Saunaanlage ist ein einziger Traum. Was ein Jammer, dass auch diese noch geschlossen ist. Aber eine Erkundung der Insel zu Fuß tröstet uns darüber hinweg. Biggi hatte noch eine Begegnung mit einem Damwild, das sie neugierig beobachtet hat.
Den Abend lassen wir mit Pasta und einem herrlichen Sonnenuntergang ausklingen.

Der Nachteil des Plans:, dass östliche Winde vorhergesagt waren und es dann eine richtige Plackerei werden würde, zumal Windy von angenehmer, aber ausreichender „grüner“ Windstärke im Laufe des Tages auf „gelb“ wechselte. 30 Knoten gegenan wollten wir uns dann für Luftlinie 42 Seemeilen wirklich nicht antun. Also nichts mit Kärdla, auch nicht mit Dirham, zumal das angepriesene Fischrestaurant erst am folgenden Tag wieder öffnen sollte. Geschlossene Saunen und Restaurants haben wir genug gesehen.
Dann doch ernsthaft noch einmal nach Lohusalu? Schön war es ja dort. Und für Mel wäre es ja schließlich auch ein neuer Hafen. Noch weiter östlich wollte ich dann aber doch nicht anlanden, wozu haben wir uns denn dann Richtung Westen aufgemacht, um dann doch wieder komplett quer zu fahren.
In einem beeindruckenden Hundebogen haben wir uns also immer weiter Richtung Osten vorgekämpft. Mein Vorhaben, doch heimlich nach Dirham zu segeln, habe ich dann zur Wahrung des Bordfriedens aufgegeben. Dadurch kam Wind und Welle aber immer mehr achterlicher herein und nach auch noch deutlich zu. Kurz vor dem Bergen der Segeln gingen schon wieder Böen bis nahe an die 30 Knoten-Marke durch.


Schon am Morgen begrüßen uns wieder 5 Beaufort, sodass wir schnell über den finnischen Meerbusen übersetzen können sollten. Aber wo fahren wir hin? Ich würde ja wahnsinnig gerne mal die weiter westlich gelegene Insel Hiiumaa besuchen, um meine finnisch-estnischen Sprachkenntnisse aufzufrischen. Es hat sich herausgestellt, dass die Sprachunterschiede nicht so groß sind. Eins - zwei - drei, üks - kaks - kolm, üksi - kaksi - kolmi... Also einfach immer ein „i“ im finnischen dranhängen und schon sollte es klappen. War allerdings nicht ganz so... Selbst beim Danke musste ich vom estnischen palun auf das finnische kiitos wechseln, ohne eine Wortverwandtschaft erkennen zu können.
Zurück nach Estland
Und die erhoffte Abdeckung der Landzunge von Lohusalu hat uns nicht wirklich vor den unangenehmen Wellen geschützt. Nach einigen Kringeln waren wir dann aber doch zum Anlegen bereit und die deutsche Fahne flatterte auch schon wieder für uns. Hatte ich das angekündigt? Oder ist man so aufmerksam, dass man uns über AIS schon wiedererkannt hatte? Dieses Rätsel konnte ich leider nicht lösen.
Diesmal aber nicht wieder das Luxusrestaurant, und auch nicht der lange Fußmarsch durch die zugegeben schönen Wälder von Lohusalu. Wir hatten bei unserem ersten Besuch viele Bushaltestellen-Schilder gesehen, und tatsächlich, in 30 Minuten sollte ein Bus direkt vom Hafen nach Laulasmaa fahren.


Was uns über eine Stunde zu Fuß beschäftigt hatte, war diesmal in fünf Minuten mit einem progressiven Ritt durch den Busfahrer erledigt. Hat ja wunderbar geklappt. Auch die Rückfahrt war ebenso schnell und komfortabel. Man kann es sich ja auch mal einfach machen.
Heute geht es auf zur vorletzten Etappe. Die Insel Naissaar haben wir noch nicht besucht, zudem ist der Weg zur Heimatmarina Pirita dann sehr (oder zu?) kurz. Wir wurden eines Besseren belehrt, aber dazu später.
Mit abgeflauten Wind ging es gemütlich zu unserem Ziel. Nun ja, der Wind ließ nach, und dann waren die vom Vortag noch vorhandenen Wellen gar nicht mehr so gemütlich. Trotz Bullenstander ächzte unser stehendes Gut bei jeder höheren Welle, da der Winddruck die Segel nicht mehr halten konnte. Es gibt Maßnahmen, die ich überhaupt nicht leiden kann, aber hier gab es keine andere Wahl - Motor an. Das war uns auf der ganzen Reise noch nicht passiert.
Die Insel Naissar
Nach 20-minütigem Dahinbrubbeln zeigte sich schon wieder eine leichte Brise. Ob das zum Segeln reicht? Besser noch ein paar Minuten warten, bevor der Wind wieder einbricht. Jetzt? Noch unverändert... Ach, was solls, das macht einfach keinen Spaß bei dem Krach und lediglich 4 Knoten. Segel raus, Motor aus... 3 Knoten lief die Heidi schon wieder. Und zum Glück ging es dann langsam wieder an die 5-Knoten-Marke. Der apperent wind speed liegt gerade mal knapp über einem Knoten darüber. Trimm gehört ja nicht zu meinen Paradedisziplinen, aber damit bin ich sehr zufrieden.
Die Windabdeckung der flachen Insel ist stärker als erwartet. Wir passieren den Leuchtturm und schon geht es wieder richtig los.


Prima, dann können wir früher anlegen und unseren standardmäßigen Spaziergang durchführen. Wir sind bereit zum Einlaufen und passieren die gut betonnte Einfahrt. Der Hafen ist neu instandgesetzt, ich habe einen Bericht aus 2019 gelesen, als die Spundwände gesetzt und ein immenser Geräuschpegel bei den Bauarbeiten geherrscht hat.
Mit dem Pflastern der Wege hat man sich wohl leider etwas Zeit genommen. Gut, dann haben wir halt den Baggerlärm zu ertragen. Wird ja nicht den ganzen Abend andauern. Da haben wir die Zähigkeit des Hafenmeisters, der gleichzeitig der Baggerfahrer war, unterschätzt.
Die Insel wird nachhaltig über Photovoltaik versorgt. Das führt dazu, dass der zur Verfügung stehende Strom wohl eher für die notwendigen elektronischen Geräte im Hafen verwendet wird - wir jedenfalls hatten keinen Erfolg beim Verbinden des Landstroms. Naja, geht ja auch mal so und auf den Toiletten ist ein Stecker für das Laden der Smartphones. Das hatte allerdings Auswirkungen auf die Dauer des Toilettenbesuchs...






Der einstündige Spaziergang zur Südspitze der Insel war gewohnt schön und spektakulär. Nur die vorhandenen Fahrzeuge haben tiefe Sandspuren auf den Wegen gezogen. Das war ja beinahe schon ein workout. Verständlich, dass hier auf SUVs gesetzt wird, anders kommt man wohl hier nicht voran. Jedenfalls sinnvoller, als in Berlin mit so einem albernen Fahrzeug unterwegs zu sein.
Nach einem spannenden Ritt, der durch die einfallenden Böen schon Wannsee-Jollencharakter hatte, kommen wir pünktlich zum einsetzenden Nieselregen an der Tankstelle an. Selbstbedienung per Automat, toll. Dazu reicht mein estnisch nicht, alles, was irgendwie mit Kraftfahrzeugen oder Motoren zu tun hatte, hatte ich bei meinem Sprachkurs als nicht relevant und schon gar nicht gewünscht weggeklickt. Der Tankautomat ließ sich auf englisch umstellen, allerdings wurden die folgenden Fehlermeldungen dann auf estnisch präsentiert. Gerade dann, wenn es wirklich nötig gewesen wäre, zu verstehen, was man da von uns will.
Meine Versuche, mit der Kreditkarte der tomorrow bank zu bezahlen, waren erfolglos. Aber warum? Ich bin so weit gekommen, dass ich für 20 Euro tanken wollte, dann kam der Abbruch. Nach einem kurzen Blick aufs Onlinekonto wurde ich erst mal stutzig. Eine Abbuchung von 1.500 Euro wurde unterbunden. Was soll das denn gewesen sein? Ein genauerer Blick auf die Uhrzeit hat mir dann offenbart, dass es der Tankautomat war. Wie bitte??? Ich hatte doch 20 Euro angeklickt. Ein erneuter Versuch brachte das gleiche Ergebnis.


Der letzte Seetag bricht an. Und mit ihm die Unlust, abzulegen. Schließlich lässt sich der Zielhafen am Horizont schon erkennen, mit 2 oder 3 Schlägen sollte man doch hinkommen. Noch zeigt sich der Wind gemütlich, doch schon bald rauschen die ersten heftigen Böen heran. Wir ziehen das jetzt mal so durch und hatten vorsichtshalber bereits Reff 1 gesetzt. Das zahlt sich nun aus. Allerdings gibt es unterwegs so einen deutlichen Winddreher, dass die Marina Pirita genau in der Windrichtung liegt. Dann wird halt mal wieder gekreuzt. Kreuzen tun unseren Weg auch einige Fähren aus Tallinn, sodass wir doch mehr und länger unterwegs sind, als dies eingeplant war.
Der Abschluss
Gut, dass ich mein Limit so weit heruntergeschraubt hatte und gut, dass wir noch 20 Euro Bargeld in der Tasche hatten. Damit ließ sich dann der Tankvorgang starten. Natürlich war damit der Tank noch nicht voll, etwas voreilig haben wir noch einmal 20 Euro einziehen lassen. Was mich dann an solchen Geräten ärgert, dass wir bestimmt über 5 Euro zuviel eingeworfen hatten und der Automat sich über diese Spende bedankt. Wenn man darüber nachdenkt, ist das eine Frechheit. Auch wenn man es sicher geschickter hätte durchführen können.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Tankautomat prüft erst einmal, ob ein gewisses Kontingent an Liquidität vorhanden ist. Als Segler sind mir solche Summen beim Tanken allerdings fremd. Ich bin aber begeistert, wie transparent und schnell die App der tomorrow Bank arbeitet. Kann ich nur empfehlen!


Die Übergabe der Yacht am nächsten Morgen mit Lauri war wieder ein einziges Vergnügen. Hier kommt niemand auf die Idee, Messer und Gabeln zu zählen oder ähnliches... Wir waren in 5 Minuten durch. Das setzt natürlich auch voraus, dass man das Vertrauen auch verdient hat. Unsere Missgeschicke haben wir als erstes kundgetan. Mit einem zerbrochenen Glas und einer abgerissenen Kante einer Abdeckung in der Kombüse waren wir aber auch materialschonend unterwegs.
Unser Dank gilt in erster Linie Lauri, der seine Yacht über Nordsail anbietet und uns jederzeit mit Rat, Tat und dem Signal-Messenger zur Verfügung stand, der toll aufbereiteten Charterunterlagen und Törnvorschläge von Nordsail (in deutscher Sprache) sowie 1a Yachtcharter, die uns ebenfalls gut und fair beraten haben.
Zudem der Gastfreundschaft der Esten und Finnen, wir haben uns jederzeit äußerst wohl gefühlt. Die Temperaturen vom 05.-22.Mai waren gewöhnungsbedürftig, zumal es in Deutschland so richtig heiß war, am heutigen 25. Mai 2022 sitze ich aber bei Regen und 17 Grad in meiner Heimat, wohingegen Helsinki und Tallinn bei strahlendem Sonnenschein an der 20 Grad - Marke kratzen. Anscheinend war die zeitliche Urlaubsplanung etwas unglücklich. Ich werde es an den IIHF weitergeben, vielleicht sollten die Eishockey-Weltmeisterschaften künftig doch etwas später stattfinden.


Ein großartige Reise geht zu Ende. Estland ist mehr als eine Reise wert. Die vielen noch nicht angelaufenen Häfen schreien förmlich danach, besucht zu werden. Vielleicht passen wir die Reisezeit an die Saison in Estland und Finnland an. Dennoch: Die schönen Erinnerungen werden bleiben.
Segeln
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