
Kanaren - Teneriffa
Die Reise
Reisebericht Kanaren - Teneriffa
Auch hier muss man mal ankern
Ankunft am Freitagmittag auf dem Flughafen Tenerife del Sur. Das Gepäck ist vollständig angekommen, was bei so einem failed Airport wie dem BER keine Selbstverständlichkeit ist, und im Gegensatz zum letztgenannten Flughafen ist der Trolley auch nach einer Viertelstunde in meiner Hand. Der BER wird beim Rückflug 80 Minuten dafür benötigen. Aber man muss mit diesem Airport auch nur mal in Kontakt treten wollen, um eine Reklamation geltend zu machen, dann wundert einen gar nichts mehr. Das ist allerdings eine ganz andere Geschichte..
Prolog - Die Anreise
Zeit ist ausreichend vorhanden, die Crew wird erst am Abend anreisen. Der Busparkplatz bietet die ganze Palette an Reiseanbietern, die die Touristen in Ihre Bettenburgen karren, eine lokale Busverbindung kann ich allerdings auf den ersten Blick nicht entdecken. Sieben Kilometer zu Fuß, kein Problem, dann setze ich mich mal in Bewegung.
Der erst geteerte Weg wird zur vulkanischen Schotterpiste und der Trolley ächzt bei den vielen Steinen. Zu allem Überfluß ist der im Navigationsprogramm eingezeichnete Weg nicht vorhanden - stattdessen ist die Landezone der Flugzeuge dort eingezäunt. Ein paar hundert Meter gebe ich meiner geplanten Route noch. Es geht einen Abhang herunter, aber auf der einen Meter breiten Kante kann ich mit dem Trolley entlangbalancieren. Das Flugzeug im Landeanflug kommt direkt auf mich zu. Ein netter Anblick. Nach diesem Umweg komme ich aber in meinen Zielort und kann mich dort erst mal stärken.
Mit dem Bus versuche ich, in mein Hostel zu kommen. Leider ist dort nur eine reine Wohn- und Feriensiedlung anzutreffen. Da stimmt was nicht. Also noch einmal gecheckt und siehe da, das Hostel ist genau da, wo ich in den Bus eingestiegen bin. Was für eine überflüssige Aktion, die mich auch noch mein Ehe-Armband gekostet hat. War es mir durch die Korrision des Verschlusses schon auf der Reise zu den Äolischen Inseln kurzzeitig abhanden gekommen, ist uns nun endgültig weg. Die Reise hätte besser beginnen können


Abends geht es zum Crewtreffen. Von meinem ganz gewöhnlichen kanarischen Ort geht es mitten hinein in die Retortenanlagen der Touristen. Ich kann kaum glauben, was man hier für eine künstliche Welt aufgezogen hat. Der Abend ist lang, ich bin froh, morgens wieder in meinem Hostel zu sein und vor der Yachtübernahme noch etwas schlafen zu können.
Die Kanaren gelten als anspruchsvolles Gebiet mit einigen Tücken. Im Atlantik gelegen müssen wir neben den gewöhnlichen Wetterbeobachtungen auf Welle, Strömung und Schwell achten. Beeindruckend waren die Düseneffekte, die auch über die Windy-App unter Nutzung der ECMWF-Modellberechnung nicht in dem tatsächlichen Ausmaß erkennbar waren.
Teilweise wurden wir mit doppelter als vorhergesagter Windstärke konfrontiert, auch die Windrichtung kann deutlich abweichen.
Ankerplätze auf den Kanaren sind rar. Aber auch die wenigen Marinas müssen rechtzeitig gebucht werden. In diesem Gebiet sind einige Dauerlieger anzutreffen, die die vorhandenen Plätze teilweise rar machen.
Über Navily bekomme ich Telefonnummern oder auch die E-Mail-Adressen heraus. Welche Methode die erfolgreichere ist, muss man probieren.
Das Revier


Rechte am Bild: esys.org
Am nächsten Mittag komme ich in der Marina Amarilla San Miguel an. Kein Vergleich zu den gut ausgebauten Marinas im Mittelmeerraum. Hier finden wir einen Versorgungsshop für die maritimen Notwendigkeiten, das Hafenbüro in einem schönen Gebäude, ansonsten wird die Charterübernahme aus Container-Büros abgewickelt.
Entgegen der angestrebten Übernahme gegen 13 Uhr werden wir darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Vor-Crew unsere Yacht ordentlich in die Mangel genommen und einige Schäden verursacht hat. Besonders bitter: Der Baum ist wohl bei einer Patenthalse in die Want geschlagen und hat eine kapitale Einbeulung aufzuweisen. Für die vorherrschenden Windbedingungen auf den Kanaren gibt es keine andere Option: Der Baum muss getauscht werden.
Also kann die Sicherheits- und Bootseinweisung in Ruhe und ausführlich erfolgen. Insbesondere die Überlegung, wie man bei starkem Seitenwind aus der Box kommt, ohne gegen die viel zu eng gegenüber aufgereihten Boote zu fahren und nicht Gefahr läuft, auf den weit herausragenden Anker des Nachbarschiffs zu treiben, hat uns beschäftigt.
Sonntag morgen ist es so weit. Der Hafen San Sebastian von La Gomera soll unsere erste Anlaufstelle werden. Die Anfragemail vom Vorabend wurde uns allerdings morgens negativ bescheinigt - der Hafen ist voll. Etwas Ratlosigkeit macht sich breit. Üppig ist das Angebot an Marinas beileibe nicht, bei fast 30 Knoten Wind und hoher Welle gleich eine Ankernacht mitten im Atlantik auch keine gute Idee. Ich schlendere noch mal über die Stege und spreche die anderen Chartercrews an. Eine teilt mir mit, dass sie für diesen Hafen eine Reservierung, diese aber vor 10 Minuten per Mail storniert hat. Schnell im Hafenbüro angerufen und kaum zu glauben. Wir bekommen tatsächlich diesen Platz zur Verfügung gestellt. Jetzt aber nichts wie los!
Törnbeginn


Die zwanzig Knoten im Hafen, die Florian souverän beim Auslaufen meistert, werden nach der Hafenausfahrt dreißig. Interessant, wie viele Gedanken und Optionen man für das Ablegen bedenkt und wie problemlos der Vorgang tatsächlich ist. Im Mittelmeer bittet man die Anfängercrews bei diesen Bedingungen zum Verweilen und dem Versuch, am nächsten Tag zu starten. Hier sind das allerdings ganz normale Voraussetzungen und die Crew besteht aus fortgeschrittenen Seglern. Wir wollen uns um die Kante von Süd-Teneriffa erst einmal mit deutlich gereffter Genua treiben lassen, da der Wind genau achterlich kommt. Wohl wissend, dass dies für das Rigg nicht die beste Entscheidung ist.
Nach 20 Minuten ordentlichem Ritt wird es ruhiger, das Groß kommt zum Einsatz und die Genua darf sich entfalten. Eine Zeitlang lässt es sich so wunderbar segeln. Die berüchtigten Düsen- und Kap-Effekte um die Kanaren herum zeigen uns aber nach kurzer Zeit, was sie so drauf haben. Und auch die Welle wird sehr kappelig. Keiner an Bord, der nicht wenigstens etwas Unwohlsein aufzuweisen hat.
Die Reff-Klaviatur wird virtuos gespielt, bei Böen über 30 Knoten ist Reff 1 lange nicht mehr ausreichend. Das Koppeln der zu erwartenden Strecke erweist sich auch wieder einmal als zu knapp angemessen, für mich sind das sowieso nur theoretische Werte, eigentlich kann man fast immer noch ein paar Seemeilen on top setzen, wenn man seine Reise unter Segeln durchführen möchte. Kurz vor La Gomera kachelt es wieder richtig und wir sind auf der Kreuz, wie hätte es auch anders sein sollen. Windrichtungen bei Windy abzulesen wird in diesem Revier mehr und mehr sinnlos und kann nur eine ganz grobe Idee entwickeln von dem, was einem dann erwartet.
Endlich ist der Hafen in Sicht, die Segel werden geborgen und die Harbour Control auf Kanal 12 angefunkt. Die Einfahrt sollte vorher freigegeben werden, da hier auch einige Katamaran-Fähren an- und ablegen. Natürlich, wir werden gebeten zu warten, da gerade eine Ausfahrt der Fähre ansteht. Die Männer der Crew üben derweil das Verhalten unserer SOD 440 unter Motor.
Nach der Freigabe fahren wir durch die für die Sportschifffahrt ausgelegten Tonnen zur Hafeneinfahrt. Es ist immer wieder faszinierend, dass einige Charterkapitäne ohne Blick ins Hafenhandbuch einfahren. Während wir auf die Marineros warten, die uns unseren Platz zuweisen, kommt von der Seite eine Charteryacht von der Seite angebrettert und diskutiert mit uns die Ausweichpflicht. Das diese Yacht da hätte niemals einfahren dürfen, vor dem Hafen auf die Marineros hätte warten sollen, die uns kurz zuvor die Einfahrt freigegeben haben - was soll`s. Nach einem sicheren und souveränen Hafenmanöver liegt die „Free Elli“ sicher in Ihrer Box und Landgang ist angesagt. San Sebastian ist ein nettes kleines Städtchen mit Versorgungsmöglichkeiten, wir suchen uns ein Restaurant und gehen dann früh zu Bett. Die Überfahrt war nicht ohne, Ablenkung im Sinne von Clubs oder Bars gibt es in San Sebastian nicht.
Maik kann anscheinend nicht mehr hinsehen


Am folgenden Tag kreisen die Überlegungen wieder darum, was unser nächstes Ziel sein wird. Der Wind pustet weiter ordentlich aus Nordost, wenigstens das Azorenhoch ist recht stabil, sodass wir uns während der ganzen Woche auf diese Windrichtung einstellen können. Mein Vorschlag, noch zwanzig Seemeilen mehr als am Vortag in die Waagschale zu werfen und La Palma anzusteuern, wird verworfen. Es sieht schon kräftig aus auf Windy, aber ein Halbwindkurs hätte uns auch schnell ans Ziel gebracht. Wieder nach Teneriffa ist auch etwas unsinnig, und so kommt im Hafenbüro die Frage auf, ob wir noch einen Tag länger bleiben können. Das ist möglich, somit erledigen wir noch den Papierkram (Achtung, das kann schon mal eine halbe Stunde dauern!) und drehen dann noch eine Runde an die Südspitze La Gomeras und retour.
Das gleiche Spiel am Dienstagmorgen. Wohin? Die Marina Colon ist komplett ausgebucht, Garachico auch wieder etwas weiter weg, die Wahl fällt auf Las Galletas. Der Hafen ist vielleicht 3sm von unserem Ausgangspunkt entfernt, aber dann muss man sich halt den Blick auf die Karte sparen und einfach nur daran denken, dass man einen neuen Hafen entdecken kann.
Begegnungen zwischen Teneriffa und La Gomera
Die Überfahrt beginnt wieder spannend. Kaum Wind hinter dem Hafen, ein versiert aussehendes Eignerboot kurz vor uns hat überaus deutlich gerefft und nur nach 5 Minuten werden wir auch gezwungen, unser Setup noch einmal zu korrigieren,
Unfassbar, wie schnell aus einer Brise hier starker Wind wird. Nach ein paar Minuten passt alles und wir reiten Richtung Teneriffa. Die seitlichen Wellen schaukeln uns ordentlich durch, bis dann bei bester Laune ein kleiner Brecher unser Schiff etwas unter Wasser setzt.
Finn hatte die schlechteste Position an Bord und konnte eine Blauwasserdusche nehmen. Ich bin immer wieder überrascht, dass bei dieser Wassermenge die Salzwassertabletten der Rettungswesten noch nicht ansprechen. Für viel Gelächter hat die Welle jedenfalls gesorgt.
Nach einer Stunde sind die optimalen Segelbedingungen vorbei. Die Landabdeckung Teneriffas wird zu spüren, wir packen ein und starten den Motor. Nach einiger Zeit dümpelt vor uns ein Schlauchboot mit vielen Gästen an Bord. Wo schauen die denn hin? Oh!!! Delfine! Das ist ein whale-watching-Boot.
Ich halte überhaupt nichts davon, direkt auf die Tiere zu fahren, man sollte ihren Lebensraum, den wir sowieso viel zu sehr einnehmen, respektieren. Die beiden Tiere entfernen sich immer mehr von dem Schlauchboot und... tatsächlich! Sie kommen langsam auf uns zu. Schnell wird uns auch klar, dass es sich nicht um Delfine, sondern um zwei große Pilotwale handelt. Was ein erhabener Anblick, sie immer wieder auftauchen zu sehen.
Nahezu kitschig wird es, als einer der Wale längsseits zu uns neben dem Boot schwimmt und den Luftaustausch vornimmt. So nah, das man meinen könnte, sie fast berühren zu können. Schwer beeindruckt sehen wir Ihnen nach, wie sie langsam Richtung Norden davongleiten.
Wieder frischt der Wind auf, sodass die gewünschten Übungen der Hafenmanöver tatsächlich eine Herausforderung werden. Maik muss die „Free Elli“ einige Zeit durch die Marina balancieren, weil die Yacht vor uns quer am Anlieger hängt und das Manöver vollkommen verbockt hat. Bis sich dieser Knoten gelöst hat, kann man noch einige Jetskis und andere Yachten passieren lassen.
Endlich sind wir an der Reihe, gewohnt souverän liegen wir an den Festmacherleinen. Meine hilfreichen Anmerkungen werden durchgehend mit „ja ja“ quittiert. Ich muss mir wohl noch mal Gedanken machen, woran das liegt :-).
Mittwoch kann ich mich dann nicht mehr davor drücken. Die erste Ankernacht ist eingeplant und von allen bestätigt. Wohin es uns genau treiben wird, werden wir sehen, laut Navily gibt es einige Optionen an der Südwest-Steite Teneriffas. Beim Landeanflug konnte ich schon direkt auf die hohen Felsen unseres Ziels blicken und muss meine Ersteinschätzung „Hier kann man nicht ankern“ in ein „hier kann man wunderbar ankern“ wandeln. Mal sehen, wie gut mir das gelingt.
Meine angestrebte Bucht ist im Revierführer als zwischen Februar und August aufgrund der brütenden Vögel als nicht freigegeben deklariert. Mitte Februar ist auch Februar, überlege ich mir. Von einem Einheimischen habe ich mir sagen lassen, dass dies darin begründet lag, dass vor den Felsen eine Fischfarm existiert hat, die viele Vögel angezogen hat. Diese Farm gibt es nicht mehr, auch die Vögel hätten sich daraufhin andere Plätze gesucht und diese Restriktion würde so nicht mehr bestehen. Beziehungsweise wolle man dies wieder ändern. Wie dem auch sei, nahe dem letzten Ort vor den imposanten Felswänden, die nicht umsonst Los Gigantes heißt, liegen schon zwei Schiffe auf Anker, da hauen wir uns doch daneben hin. Beide sind ziemlich weit draußen, da ist dahinter doch noch Platz.
Meine Berechnungen, wie lang die Stroppleine für den Anker-Markierungsfender sein soll, ist durch unsere, besser meine Unentschlossenheit, wo denn nun der Anker fällt, ad absurdum geführt. Das Ergebnis war wie folgt: Weit genug von den anderen beiden Yachten waren wir weg, die 200 Meter Abstand zur Küste, die in Teneriffa weitestgehend eingehalten werden soll, haben wir deutlich unterschritten. Auch, wenn die 8 Meter Wassertiefe, bei der wir zum Stehen kommen, ideal sind. Noch schlimmer ist, dass der Ankerfender vom Schwell immer mal wieder komplett versenkt wird. Wenn wir uns vorstellen, dass der Auftrieb des Fenders das Liegen des eingegrabenen Ankers günstigenfalls nur leicht behindert, wird klar, dass das so nicht bleiben kann. Eigentlich zum Kaputtlachen: Was für ein verhunztes Ankern.
Neu angesetzt, die Stroppleine deutlich verlängert, und dann die Suche nach einem besseren Platz. Währenddessen haben sich unsere beiden Ankernachbarn entschlossen, den Platz zu verlassen. Gute Entscheidung, ich würde es auch nicht riskieren, neben uns die Nacht verbringen zu müssen. Als der Anker fällt und als diesmal alles den Erwartungen entspricht, haben wir die Bucht für uns. Selbst der Wasserpalstek, den ich 4 Monate nicht mehr angesetzt habe, funktioniert beim ersten Versuch und entlastet unsere Ankerkette auf der Bugklampe der Yacht. Dazu gehört dann auch, dass wie selbstverständlich der aufgehende volle Mond über uns wacht.
Auch hier muss man mal ankern



Apropos Wacht: Kein Wind, ganz leichte Strömung, ganz leichter Schwell... eine perfekte Ankernacht. Und doch schaffe ich es kaum, mal für 20 Minuten die Augen zuzumachen. Wie steht denn das Boot hier? Mit Heck nahe an dem Ankerfender, die Position mit Bug zum Anker und leicht gespannter Kette haben wir längst verlassen. Wir haben uns also gedreht und werden von der Kette noch vor dem Anker gehalten. Das hatte ich so auch noch nicht gesehen und wirft mir schlaftrunken immer mal den Gedanken ein, ob man sich die Stroppleine auch irgendwo einfädeln könnte.
Rock´n´Roll und hafenmanöver
Am Donnerstag will man es noch mal so richtig krachen lassen. Santa Cruz de Tenerife und die damit verbundenen 50 Seemeilen, davon fast 30 gegen Wind und Welle, sollen absolviert werden. Die Crew ist abermals im Party-Bedürfnismodus nach der ruhigen abgeschiedenen Nacht. Im Dunkeln wird der Anker geborgen und wir machen uns in den Sonnenaufgang auf den Weg. An ähnlicher Stelle (wir sind die Südwestküste ja ein wenig auf und ab gefahren) tummeln sich wieder Geschöpfe im Wasser. Diesmal sind es tatsächlich Delfine. Und was für eine Anzahl! Sicher 30 bis 40. Mal spielen sie mit unserem Boot, mal sind sie bei der Nachbaryacht zu sehen. Spannend, dass man Ihnen durch herablassen der Badeplattform näher kommen wollte (das Baden mit Delfinen ist auf den Kanaren verboten, by the way), aber das Piepsen des Herunterlassens der Plattform alle Delfine dazu veranlasst hat, uns den Rücken zu kehren. Das war dann ja wohl nichts. Aber man war nicht nachtragend und hat sich noch einmal zum Begleiten der Yacht eingefunden.
Im Beilieger ging es dann auch noch mal ins Wasser zum Schwimmen. Wir haben eine Leine mit Fender gelegt und ich habe meine Heroen gebeten, die Strömung und das Gleiten des Schiffes nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Dennoch bin ich immer wieder froh, wenn alle wieder an Bord sind.


Auf der Südost-Seite wurde es dann wieder so richtig ruppig. Der Blick auf die Wettervorhersage und das Potenzial, dass nicht immer alles so angezeigt wird, wie es dann noch heftiger kommen kann, treibt mir die Sorgenfalten ins Gesicht. Selbst, wenn wir Santa Cruz erreichen, wird es dann morgen nicht zu heftig? Es sind immerhin 30 Seemeilen zurück. Und Böen mit 35 Knoten auf Windy vertraue ich auch nicht mehr. Was, wenn es wieder zehn Knoten mehr sind? Muss man sich das wirklich geben? Auf Höhe des Montaña Roja, der sich 171 Meter in die Höhe reckt, wird der Wind und die Welle wieder so gepresst und beschleunigt, dass ich meinen Zweifeln Ausdruck verleihen muss. Nach kurzen Überlegungen entschließen wir uns, abzubrechen und zur Heimatmarina umzukehren
Da wir nun nicht mehr gegenan stampfen, können wir die Segel setzen und den Nachmittag genießen. Was soll man sagen - sobald wir etwas weiter entfernt von der Küste und den genannten Effekten waren, wurde es zu einer angenehmen Tour. Habe ich da doch zu früh die Leine gezogen?
Das Einlaufen in unsere Box war dann erwartet unangenehm. Die Nutzung des Bugstrahlruders versuche ich zu vermeiden, das hatte ich auch bei der Übernahme der Yacht unserem Vercharterer lächend gesagt. Nein! Du musst das Bugstrahlruder benutzen!!! Ja.. ist ja gut.
Da ich endlich auch mal ein Manöver fahren durfte, habe ich mich darauf schon gefreut. Das Heck bestens platziert, habe ich in den Böen doch gemerkt, dass ich mal aufs Knöpfchen drücken sollte, bevor wir doch die Position verlieren. Das hatte erfreulich gut geklappt, nur wollte man den Bug noch näher am Steg, gegen den Wind, festmachen. Wie man mich da angefeuert hat, das Bugstrahlruder zu nutzen - da wäre man in anderen Marinas rausgeflogen. Aber zugegeben. Hier ist das nicht nur ein angenehmes, aber verzichtbares Gimmick, man braucht es tatsächlich für diesen unangenehmen Liegeplatz, dem man dem Vercharterer zugeteilt hat.

Für den nächsten Tag haben wir Hafenmanöver ins Programm aufgenommen. Der erwartete Wind kam nicht. Alle meinten, nachher geht es richtig los, unser Nachbar Jose hat mit uns noch die Leinen festgezurrt, weil er uns nicht an seinem Boot haben wollte. Aber es kam rein gar nichts.
Schön, dann üben wir halt gemäß meines Lieblingsspruchs „low speed, low damage“. Für die notwendige Konzentration und Herausforderung sorgt, dass noch 3 andere Schiffe An- und Ablegemanöver üben. Oder war es gar eine Prüfung? Das Tragen der Rettungswesten bei 1 bft deutete jedenfalls darauf hin. Ja - in Dänemark tragen wir im Hafen immer Rettungswesten. Aber doch nicht in Spanien...
Kurz nach der Mittagszeit kam er dann aber doch, der versprochene Wind. Nachdem ein Anlieger dann noch missglückte und ich das Gefühl hatte, die Männer lassen sich immer ungewöhnlichere Manöver einfallen, konnte ich darauf einwirken, dass wir diese Veranstaltung beenden, bevor noch etwas zu Bruch geht. Finn bewegt unsere Yacht mit achterlicher Fahrt, rutscht aber zwei Mal nach Backbord aus. Kann doch nicht sein, lass mich mal ran. Aufgestoppt liegt das Boot so, wie ich es mir vorgestellt habe, nun mit langsamer Fahrt rückwärts... Und auch mir entgleitet es nach backbord. Das hat Finn auch so hinbekommen und ich muss meine belehrenden Ausführungen kleinlaut zurücknehmen.
Natürlich, bei dem Wind sind die Manöver herausfordernd und man lernt eine Menge - aber auch vorher habe ich das Wort „Lerneffekt“ inflationär zu Ohren bekommen und wollte dies nicht überstrapazieren. Dennis möchte das komplizierte Anlegemanöver vollziehen und legt unsere Yacht sanft in seine Box. Noch die Leinen verzurrt und unsere Free Elli kann sich im Schwell des Hafens und der Böen wiegen. So ging eine herausfordernde, aber auch wirklich spannende Woche zu Ende.

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