
Trogir / Dalmatien
Angekommen am Flughafen, mache ich mich auf die Suche nach dem Bus. Die Flugzeiten sind angenehm (sofern man Frühaufsteher ist) und es ist ausreichend Zeit, ohne Hektik in die Marina zu kommen.
Der Hinweis „Zu den Bussen“ ist schön, allerdings sind das irgendwelche Reisegesellschaften, die Ihre Fahrzeuge dort abgestellt haben. Wo ist denn dieser normale öffentliche Bus? Da runter? Das Navi sagt mir, dass es die falsche Richtung ist... Also wieder zum Flughafen und der großen Straße. Falls ich es nicht finde, kann ich die wenigen Kilometer laufen. Aber siehe da... Eine Haltestelle, das sieht gut aus. Der erste Bus laut Fahrplan kommt nicht, aber dann... Für 2,50 Euro geht es zum Ziel.
Trogir empfängt mich mit einem tollen Anblick. Die Sonne scheint, und rund um die auf eine Insel gebaute Altstadt sind kleine Boote festgemacht. Das sieht doch schon mal gut aus!
Das erste Kennenlernen der Crew steigert die Vorfreude, wir werden sicherlich gemeinsam eine tolle Woche verbringen.


Zwei Wochen lang werde ich auf einem Katamaran im Auftrag des Reiseunternehmens Sailwithus unterwegs sein. Die erste Tour werde ich beschreiben, angereichert mich wichtigen Spots der zweiten Ausfahrt.
Nach einem Restaurantbesuch in der unglaublich schönen Altstadt geht es am nächsten Morgen los. Und mit uns eine ganze Armada an anderen Charterschiffen.
Erster Anlaufpunkt ist die blaue Lagune. Schön anzusehen, kein Zweifel, aber das Karibik-Flair leidet unter den Ausflugsbooten und Charteryachten, die hier vor Anker liegen. Es ist einfach nur voll, sodass wir uns eine ruhigere Bucht nördlich suchen, um das erste Mal schwimmen zu gehen. Ich habe noch großen Respekt vor den schwierigen Ankerbedingungen in Istrien, vorwiegend finden wir einen Stein- und keinen Sandboden vor. Das wird dann noch richtig schön in unserer Übernachtungsbucht.
Wir segeln an der Südküste Soltas entlang und spähen in die eine oder andere Ankerbucht. Der Wind kommt für dieses Vorhaben nicht so günstig auch aus südlichen Richtungen, ist aber nicht stark, sodass wir die Fähigkeiten unseres Katamarans am Wind testen.


Der Einkauf wird von der Crew mithilfe eines Privat-PKW´s in einem Einkaufsmarkt in der Stadt erledigt, der Marina-Shop ist doch relativ teuer. Ich mache mich in dieser Zeit mit der Lagoon 40 vertraut, dieses Schiff hatte ich bisher noch nicht fahren können. Unterscheidet sich dann aber nicht groß von den Bali.
Normalerweise nehme ich ja gerne die Ankerbuchten oder Marinas, in denen ich in der Vorwoche gute Erfahrungen gemacht habe, diesmal ist aber alles anders. Die Crewansprüche sind in den zwei Wochen höchst unterschiedlich. Von der normalen Törn mit vielen Ankerbuchten und Kochen an Bord wird die Herrenrunde der zweiten Törn mehr Wert auf hochklassige Restaurants legen. Diesmal kann ich also auf den Erfahrungen der Vorwoche nur bedingt aufbauen.
Unser Ziel vor Augen, kommt eine Bavaria an der Küstenlinie mit hoher Geschwindigkeit entlang und tatsächlich... schnappt uns den freien Ankerplatz weg. Wir bleiben aber in der Uvala Senjska, vertrauen dem Anker und machen noch mit einer Heckleine fest. Ein großer Vorteil ist, wenn man gute Taucher an Bord hat. Ein Blick auf den Anker beruhigt dann doch, um eine Nacht ohne Schlaf zu vermeiden.
Alternativ kann man eine Boje in der Uvala Sesula mit einem anschließenden Besuch in der gleichnamigen Konoba (so heißen die kroatischen Fisch-Restaurants) reservieren. Der telefonische Kontakt hat wunderbar funktioniert, der Marinero an den Bojen war ein Traum. Wir fixierten die vordere Mooringleine, ich wollte mich mit ihm abstimmen, wie wir die Heckleine bekommen - und er hatte sie schon befestigt. Toller Service!
Sailwithus hat zu dieser Zeit einige Skipper in und um Trogir im Einsatz, sodass nach einer kurzen Kontaktaufnahme beschlossen wird, im Päckchen zu liegen, um die begrenzten Plätze nutzen zu können. Außerdem halten 2 (oder 3) Anker besser als einer. Die Distanz zum Ziel Sveti Klement, eine Inselgruppe auf der Westseite Hvars gelegen, ist machbar. Leider müssen wir bei einschlafendem Wind Motorunterstützung nutzen.
Bei der Anfahrt auf unseren Ankerplatz um Sveti Klement nahe der kleinen Insel Marinkovac ist wieder auffällig, wie voll es doch ist.


Wir passieren die Uvala Vinogradisce, ein beliebtes Bojenfeld. Bei den vorherrschenden Preisen kaum nachzuvollziehen.
In der Folgewoche werden wir dort für 114 Euro eine Boje buchen. Der Besuch im Restaurant Toto, ein hochpreisiges Etablissement, kommt dann noch obendrauf. Über die Plattform my-sea.com wurde uns ein Rabatt von 30 Euro eingeräumt, das Restaurant allerdings wollte uns diesen Nachlass nicht gewähren. Die Kontaktaufnahme mit my-sea verlief großartig, Corinna vom my-sea-Team hat uns die 30 Euro prompt gutgeschrieben und vor allem: War bei einem Problem sofort erreichbar. Das schaffen ja nicht mehr viele Firmen. Gerade in der Hochsaison sind Buchungen über diese Plattform komfortabel, die Seite wirkt aufgeräumt und übersichtlich, eine klare Empfehlung.


So schön das Ankern auch ist - für die Batterien der Schiffe kann dies auch mal stressig sein. Nicht immer hat man wie bei einer Sun Odyssey 440 auf Sizilien morgens noch eine Bordspannung von 12,8 V, obwohl wir sogar den Kühlschrank haben durchgängig laufen lassen.
Somit entschließen wir uns, am Abend eine Marina anzulaufen. Diesmal nutzen wir die App ACI-Marinas. Leider scheint ein Sicherheitsproblem zu bestehen, der Aufruf der Seite wurde von meinen digitalen Geräten, die über weiterführende Sicherheitsmechanismen verfügen, abgelehnt. Ab 2024 soll die Buchung von ACI-Marinas inklusive dem Rabatt, den einige Vercharterer erhalten, über die Navily-App möglich sein.
Auf dem Weg zur Marina werde ich von meiner badefreudigen Crew darauf hingewiesen, dass noch ein kleiner Stopp eingelegt werden soll. Ich suche Navily ab und finde nichts geeignetes. Die ganze Nordseite nach der Halbinsel bei der Einfahrt zu Stari Grad zeigt keine Ankerplatz-Informationen. Dafür ist aber das, was wir dort vorfinden, ein einziger Traum! Für mich ein Geheimtipp. Das Dumme daran: Würde ich jetzt hier die Koordinaten hinterlegen, wäre es ja nicht mehr geheim.
Dieser Abschnitt der Insel Hvar ist nach meinen Erfahrungen reich an Geheimnissen.
Mein lieber Freund Dietmar, der mich in der zweiten Woche kontaktierte, wo ich denn sei, konnte mir den Tipp des Jahres zukommen lassen. Wir waren zufällig im gleichen Gebiet, er hatte einen „Kurzurlaub“ (fast ganzjährig, wenn er nicht auch am skippern ist) mit seinem Wohnmobil gemacht.


Ich wusste wieder mal nicht, wohin, und da kamen wir auf die Konoba von Jure zu sprechen. Nach einigen Abstimmungen über die Reservierung hat es dann doch tatsächlich geklappt. Erst wurde ich informiert, dass der Restaurantplatz für uns freigehalten wurde, aber keine Boje mehr zur Verfügung steht, am Nachmittag dann sogar der Jackpot - wir bekommen eine Boje, die freigeworden sei. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass Dietmar Jure angewiesen hat, jemand anderen zu verjagen, damit wir Premium liegen können. Und das war es auch. Ein unfassbar schöner Platz, ein fantastisches Essen, ein Traum. Leider darf ich auch hier nichts genaueres sagen, ich hatte Jure extra gefragt, ob ich etwas Werbung machen soll, das hat er abgelehnt. Wenn ich bedenke, wie viele Leute er in der vollkommen verlassenen und von Land kaum zugänglichen Ort aufgrund fehlender Reservierung wieder weggeschickt hat, scheint das auch nicht nötig zu sein. Als Highlight des Abends kam Dietmar tatsächlich noch persönlich auf ein Bier vorbei.


An der malerischen Küste entlang geht es Richtung Vrboska. Vorher müssen wir noch die FKK-Insel Zecevo passieren, einer der schönsten Strände auf unserer Reise. Nackedeis treffen wir hier nicht an, aber bei der Einfahrt in den Hafen wird es dann ziemlich textilfrei. Auch auf den ankernden Schiffen sind kaum Badehosen auszumachen. Das ignorieren wir, denn wir freuen uns schon auf unseren festen Liegeplatz und den Besuch eines Restaurants.


Wie üblich ist nach einer Anmeldung über Funk der Marinero zur Stelle, um uns einen Platz zuzuweisen. Nicht viel los in der Marina, umso erstaunlicher, dass wir an einer Stelle eingewiesen werden, in der ein 45 Grad Knick am Kai vorherrscht. Gerade einen Kat möchte man lieber gerade anlegen, so stehen wir mehr als merkwürdig schräg. Kurze Zeit später bekommen wir noch nette Nachbarn und sind zum Bug hin etwas eingekeilt. Das wird beim Ablegen noch für großen Spaß sorgen.
Nach einem guten Essen auf dem gleichen hohen Niveau wie unsere Bordküche in den Ankerbuchten gibt es an Bord noch die Halbzeitparty. Dies hat keinen Einfluss auf die Ereignisse am kommenden Morgen.
Wir lösen unsere Mooringleine am Bug, die sich nach vorn verjüngenden Mooringleinen der beiden Nachbarn sollten wir doch passieren können. Von wegen. Die Steuerbordschraube hat eine Mooring eingefangen. Maschine stopp, SUP ins Wasser und die Leine lösen... Wenn es doch so einfach wäre. Das Motorboot neben uns wird geentert. Nicht der feine Weg, aber wir bekommen die Mooring ohne Zugentlastung nicht frei.
Vom freundlichen Gegenüber erhalten wir gute Ratschläge, ein Taucher würde für 80 Euro für Befreiung sorgen. Unsere Männer bekommen es aber so gelöst, auch wenn die Schraube einige Blessuren hinterlässt. Der Kat ist nach endlosen Minuten wieder frei, wir können weiter. Aber genau in diesem Moment legt Herr gegenüber ab und macht das Hafenbecken sehr eng. Eine halbe Stunde glotzen, Ratschläge verteilen, da muss man natürlich unbedingt jetzt losfahren, wo noch nicht alle Menschen an Bord sind. Tolles Timing. Und noch mal denke ich darüber nach, warum wir ausgerechnet so einen bescheuerten Liegeplatz zugewiesen bekommen haben.
Es gibt noch einen kommunalen Teil in diesem Hafen. Günstiger und auch noch ein paar Meter näher zur Stadt. Das sollte man dann vielleicht bevorzugen.
Wir verlassen die Insel Hvar und nehmen Kurs auf Brač. Doch auf halbem Wege kommt es zum KOB. Kappe over Board. Und damit es auch gleich ein MOB (man over board) wird, springt Radu mal eben hinterher. Also dann halt ein echtes MOB-Manöver. Als ich die Q-Wende einleiten will, sehe ich, dass Radu uns im Höllentempo hinterherschwimmt.
Ich hätte darauf hinweisen sollen, dass man sich in so einem Fall besser nicht fortbewegt, damit wir die aufzunehmende Person besser anpeilen können.
Den Kat bekomme ich bei diesem fast nicht vorhandenen Wind auch nicht ohne Probleme durch den Wind gedreht, also ändern wir das Rettungsmanöver dahingehend ab, dass wir einfach parken und warten, bis Radu an Bord geschwommen ist. Hat ein wenig gedauert und war dann wohl doch anstrengender, als vorher vermutet. Wieder etwas gelernt für das Gespräch der Sicherheitsunterweisung.




Ein weiterer schöner Badestopp in einer einsamen Bucht und los geht es zur Suche nach einem Übernachtungsplatz. Ich habe die Uvala Luka im Auge, auch wenn wir noch einige Zeit dorthin benötigen. Es lohnt sich dann aber! Es gibt mehrere Anlegemöglichkeiten, die besten sind wieder einmal an Bojen mit Konoba-Verpflichtung, heute wird aber wieder die Bordküche für leckere Wraps genutzt. Bei einsetzender Dämmerung setzt auch leichter Regen ein. Das bin ich ja gar nicht mehr gewöhnt.
Aber schon am nächsten Tag strahlt wieder die Sonne vom Himmel. Wir arbeiten uns die Nordküste von Brač entlang. Dort soll laut Reiseführer auch die schönste Bucht zu finden sein. Wir fahren vorbei, denn zumindest vom Wasser aus können wir das nicht so bestätigen. Westlich Supetar noch ein Badestopp. Der Anker liegt, die Badeleiter ist im Wasser, da fällt mir auf, dass unser Groß ja noch gesetzt ist. Äh... Es gibt ja Segler, die zur Stabilisierung der Schwoi-Bewegungen das Groß gesetzt lassen. Ja, genau, das hatte ich auch vor.
Zum Abschluss noch eine schöne Ankerbucht ausgewählt. Die Uvala Stipanska ist gut gefüllt, ein sehr großer Segler liegt dort anscheinend schon länger fest. Der Anker zieht gut, die Landleinen werden gelegt. Beachtung schenken kann man den Festmacher des großen Seglers. Beim Abtauchen der Bucht ist aufgefallen, dass er anscheinend mehrere Leinen quer durch die gesamte Uvala ausgelegt hat. Nun ja, wir konnten uns davon freihalten und liegen sicher.



Am nächsten Morgen geht es schon auf zur letzten Etappe. Aber da fehlt doch noch etwas! Genau, in Istrien haben wir mindestens einmal die Begleitung von Delfinen gehabt, ich habe das auch als Urlaubsgarantie abgegeben, aber gar nicht mehr daran geglaubt. Und dann taucht eine größere Gruppe auf. Julia mit ihrer guten Kamera konnte sogar einen Baby-Delfin ausmachen. Kann man einen schöneren Abschluss für eine Segeltörn finden?


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