Die Windward Islands

Prolog - Die Anreise

Ankunft am Aéroport International Martinique Aimé Césaire. Es regnet leicht und die feuchte schwüle Luft haut einen fast um. Der letzte Bus in die Stadt Fort-de-France, in der ich die erste Nacht verbringen werde, ist abgefahren. Auf der Suche nach einem Taxi und vor allem weiteren Mitreisenden, um den horrenden Preis zu reduzieren, führt mich zu einer netten Familie aus Franken. Wie es der Zufall will, sind sie im gleichen Hotel untergebracht.

Ich schaue mir etwas die Stadt an, um mich zu akklimatisieren und den Vibe der Karibik aufzunehmen. Danach schlage ich mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch, um zur Marina Le Marin zu gelangen. Um nicht nur im Bus zu sitzen, wähle ich zuerst eine Fahrt mit der Fähre. Etwas unübersichtlich das Ganze. So lande ich in einem Boot, dass als Ziel einen nördlich gelegenen Ort ausweist. Ich will doch Richtung Süden! Man beruhigt mich mit dem Hinweis, dass alle Schiffe erst einmal nach Les Trois Islets fahren. Trotzdem bleibt die Anspannung, ob das wirklich gut geht. Zeit genug habe ich, also etwas locker machen.

Tatsächlich landen wir in der Nähe des Ortes, in den ich gelangen wollte. Vor mir liegt nun ein längerer Fußmarsch zur Bushaltestelle. Und tatsächlich gelange ich nach einem überflüssigen Umstieg in Rivière-Salée am Zielort. Da es sich bei Martinique um ein französisches Departement handelt, ist das Zahlungsmittel der Euro. Ich habe mich mit Münzen eingedeckt, was sich jetzt auszahlt. Das Bus-Netz in Martinique ist hervorragend, die Busse überpünktlich. Noch ein kleiner schweißtreibender Spaziergang zur Marina, schon kann die Übernahme der Lagoon 42 beginnen. Dies erfolgt bei den freundlichen Mitarbeitern von VPM-Bestsail und funktioniert problemos.

Nachdem die Crew nach und nach eintrifft, die Einkäufe erledigt werden und einem guten Abendessen kann es am nächsten Morgen losgehen. Noch ein paar Tipps vom liebenswürdigen Skipperpaar der Bugaboo, Ausklarieren im Büro der Customs Officer (den Ablauf, der uns in den nächsten Tagen noch beschäftigen wird, habe ich hier dokumentiert).

Leinen los in Le Marin. Der Knoten, dessen Leine unseren Bug an die Schwimmboje bindet, lässt sich nur schwer lösen. Der Steg ist voll mit hilfsbereiten Menschen, nach einiger Zeit haben wir uns freigemacht und können die lange Ausfahrtspassage antreten. Dabei haben wir die Gelegenheit, uns an die andere Betonnung und kleinen Eigenheiten zu gewöhnen. Als uns die Wassertiefe erlaubt, die Segel zu setzen, geht es los. Der Ostwind schiebt uns nach der Abdeckung von Martinique in den St. Lucia Channel. Schnell fällt die Wassertiefe auf über 1.000 Meter, wir bekommen einen Eindruck von den Wellen des Atlantik. Dennoch ist uns die See wohlgesonnen.

St. Lucia ist schon in Sicht, da quert ein kleiner Pottwal vor unserem Bug unsere Fahrt. Nahezu majestätisch gleitet er vorbei, begleitet vom häufigen Ausblasen. Ein erstes Highlight unserer Reise.

Nach knapp sieben Stunden fällt unser Anker in der Rodney Bay. Zum Einklarieren ist es zu spät, wir ziehen die gelbe Flagge und genießen unser erstes Abendessen an Bord.

Am nächsten Morgen geht es mit dem Dinghi zum Einklarieren. Wir finden schnell den Steg, froh, dass uns der stotternde Außenborder nicht im Stich gelassen hat. Doch dann beginnt das Martyrium. Wähnte ich mich noch gut vorbereitet durch das Befüllen der Sailclear-Website, konnten wir uns nach akzeptabler Zeit zur Immigration begeben. Dort wurden wir darauf hingewiesen, dass ebenfalls ein Online-Formular auszufüllen sei, inklusive dem Hochladen von Fotos unserer Reisepässe. Elend viel Zeit hat das Abtippen der Passdaten gedauert, nach Stunden war es dann soweit: Wir hatten unsere Stempel in den Pässen. Wie man sich am Besten auf dieses Prozedere vorbereitet, ist unter Download Clearence Document detailliert nachzulesen.

Es wird am frühen Nachmittag nun wirklich Zeit, um in die Marigot Bay aufzubrechen, auf die wir uns schon sehr freuen. Die Einfahrt ist magisch. Eine kleine Landzunge, gesäumt von Palmen, zur Linken das Gebäude von Dr. Dolittle (den Film habe ich nie gesehen) und dann die kleine Bucht mit Bojen, um die Yacht festzumachen. Wir machen wie schon in der Rodney Bay Erfahrungen mit den hilfsbereiten Boat boys, die einem nur zu gerne Ihre Dienste gegen ein kleines Entgelt anbieten. Wir aber haben uns bereits vorher bei Mandy Louis (+1 758 7289948, Marina Supervisor) im Hafen angemeldet und bekommen offizielle Unterstützung.

Marigot Bay Segeln
Marigot Bay Segeln

Martinique. Le Marin - St. Lucia, Rodney Bay / Marigot Bay

Umschwärmt von Boat Boys lassen wir uns überzeugen, einen Landausflug zu machen. St.Lucia ist zu schön, um einfach nur vorbeizusegeln.

Am nächsten Morgen werden wir pünktlich abgeholt und steigen in ein kleines Holzboot. Vertrauenswürdig sieht es nicht aus, es ragt bei voller Belegung gerade noch so aus dem Wasser, aber wir kommen an der anderen Seite der Bay an. Dort werden wir von unserem Fahrer erwartet, der uns die nächsten Stunden über die Inseln führen wird.

Wir beginnen in einer unspektakulären Rumfabrik und lassen uns ein paar Produktionsstätten und Lagerräume zeigen. Die kleine angrenzende Rohrzuckerplantage ist eher schmückendes Beiwerk, vorwiegend kommt der Rohstoff aus Panama.

Beeindruckender wird es dann aber bei der anschließend stattfindenden Rumverkostung. Sämtliche Produkte stehen zum Kosten bereit, wir beeilen uns, einen möglichst breiten Eindruck zu bekommen. Um mehr und mehr festzustellen: Hier hat es niemand eilig. Und so verlassen wir das Gebäude in bester Stimmung, um uns über schlechte Straßen, zum Teil nicht asphaltiert, und hohen Hügeln zum Schlammbad zu begeben.

St. Lucia, Landausflug

Jahleel

Telefon: +1 (758) 726-0904

Jahleel guided tours and Yachtservice kümmert sich um die Organisation von Rundreisen auf St. Lucia und steht mit Dir mit Rat und Tat zur Verfügung. Was es auf den Touren zu sehen gibt, hat er hier auf einem Flyer dargestellt.

Empfehlenswerter Kontakt

Nach einem ereignisreichen Tag geht es zurück auf unsere Yacht Utopia, bevor wir noch ein Abendessen zu uns nehmen.

Am nächsten Tag klarieren wir aus und bunkern noch etwas Wasser. Aufgrund des mangelnden Wasserdrucks eine zeitaufwändige Angelegenheit. Aber dann machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Stopp. Den Wahrzeichen St. Lucias, die beiden Pitons. Dies sind zwei alte Vulkankegel mit über 700 Meter Höhe. Dort angekommen, werden wir wie üblich von Boat Boys begrüßt, denen wir die üblichen 20 XCDs (East Caribian Dollar, Easy ausgeprochen) überreichen. Emmer hieß der Bursche, der uns an eine durch die Park Ranger reservierten Boje gelotst hat. Ich war mir nicht sicher, ob an jeder Boje ein reserved-Schild angebracht ist, aber natürlich wurden wir später dort vertrieben, als ein großes Motorboot dort festmachen wollte. Man hat uns an eine Boje relativ nördlich, aber mit Blick auf den Sugar Beach verwiesen. Empfehlenswert ist diese aber nicht. Dort geht so ein starker Strom, dass sich unser Katamaran nicht entscheiden konnte, ob er sich nach dem Wind oder dem Wasser richten sollte. Konsequenz daraus waren Dreher des Schiffes, wie ich sie vorher auch noch nicht erlebt hatte. Vermutlich ist es besser, an einer weißen, südlich gelegenen Boje festzumachen. Sämtliche Bojen dort sind kostenpflichtig, abends kommen die Park Ranger zum Abkassieren vorbei. Trotz all den Schwierigkeiten ist es ein beeindruckender Ort!

St. Lucia, Marigot Bay - St. Lucia, Pitons

Ein schöner Platz zum Verweilen, wenn auch sehr unruhig.

Es wird Zeit, St. Lucia zu verlassen und Kurs auf St. Vincent und die Grenadinen zu nehmen. Ausklariert hatten wir schon, auch wenn mir das wieder eine unruhige Nacht zwischen den Pitons beschwert hat. Wir hätten das Land ja bereits verlassen haben sollen.

Wir motoren los, der Wind ist zu verhalten, um die Segel zu setzen, und sehen vor uns eigenartige Bewegungen des Wassers. So, als würde sich dort ein Strudel befinden. Spüren tut man das beim Darüberfahren nicht, aber ich habe beim Blick auf die Plotterkarte gesehen, dass es hier zu unangenehmen Strömungen kommen kann. Ich möchte das nicht unbedingt bei schwererem Wetter durchfahren müssen. Nach der Landabdeckung können wir die Segel setzen und sind zügig unterwegs. Bei Windgeschwindigkeiten unter 10 ktn eine Fahrt nach GPS von fast 7 ktn zu machen deutet darauf hin, dass uns die Wasserbewegungen gewogen sind. Nicht allzu lang, und wir erreichen St. Vincent. Der erst kürzlich ausgebrochene Vulkan La Soufrière (April 2021) hat seine Spuren hinterlassen. An einigen Stellen sieht man, wo die Lavaströme ins Meer gelangt sind. Dementsprechend ist die nördliche Küste nicht geeignet, den Anker fallen zu lassen.

Aus diesem Grund ist unser nächstes Ziel die Keartons Bay, die direkt neben der aus Der Fluch der Karibik bekannten Wallilabou Bay liegt. Vorab haben wir Kontakt mit Zico aufgenommen, der sich dort ein kleines Geschäft mit Festmacherbojen errichtet hat. Telefonisch erreiche ich ihn, er hilft uns mit seinem Ruderboot. Wer jemals eine Festmacherleine mit einem kleinen Boot transportiert hat, weiß, wie anstrengend das werden kann. Die Leine geht ins Wasser, wird immer schwerer und man paddelt sich richtig einen ab.

St. Lucia, Pitons - St. Vincent, Keartons Bay

Zico

Telefon: +1 (784) 491-9608

Zico hilft Dir, einen sicheren Liegeplatz zu finden, bietet Dir im Haus seiner Mutter ein tolles authentisches karibisches Abendessen zum kleinen Preis und kümmert sich um alles, was man benötigt. Selbst einen Termin zum Klarieren in der Wallilaboy Bay stellt er sicher.

Sensationell!

Empfehlenswerter Kontakt

Vor dem vereinbarten Abendessen bei Zico hat er mir noch ermöglicht, am genannten Wallilabou Bay einzuklarieren. Ich mache mich zu Fuß auf den Weg und bestaune den Drehort. Der offizielle Teil allerdings ist ernüchternd. Der Beamte (ob Zoll oder Grenzschützer erschließt sich mir nicht) teilt mir mit, dass sein Computer nicht funktioniert und er mir nicht weiterhelfen kann. Ich soll an einem anderen Ort einklarieren.

So abgefertigt schaue ich mir die Bucht an. Man hört, dass hier nach den Dreharbeiten am alten Set nichts mehr gemacht wird und alles verfällt. Das mag sein, hat aber dennoch seinen Charme. Ich für meinen Teil finde zumindest noch ein paar Fotomotive. Das in der Bucht kein Boot vor Anker liegt, ist aber doch ein Zeichen, dass dieser Spot nicht mehr ganz so angesagt ist.

Wir schauen uns etwas den Ort an, durch den uns Zico führt und speisen mit einem tollen Blick über die Bucht. Auch eine Rum-Verkostung darf nicht fehlen. Das Ganze ist sehr familiär, aber aus diesem Grund sind wir ja auch unterwegs.

Zico bekommt von uns noch eine Einkaufsliste und ist bemüht, alle gewünschten Artikel zu besorgen. Wir sind begeistert, dass wir über ihn einige Artikel bekommen, um unsere Bordvorräte aufzufüllen. Gegen Mittag ist alles an Bord, sodass wir aufbrechen können.

Noch sind wir nicht einklariert. Die Empfehlung, zur Blue Lagoon zu fahren, schlagen wir aus, unser Ziel liegt weiter südlich. Die Insel Bequia mit Ihrer Stadt Port Elizabeth verfügt über ein Office zur Immigration. Deutlich unkomplizierter als in St. Lucia sind die Pässe gestempelt und die weiteren Papiere ausgestellt. Jetzt haben wir fürs Erste Ruhe vor diesen administrativen Tätigkeiten.

Port Elizabeth ist ein schönes Städtchen, welches wir uns nach und nach ansehen, zudem werden abermals die Vorräte aufgefrischt. Auf dem weiteren Weg wird dies nicht möglich sein. Wir nehmen noch einen welcome-Drink in der Bar Fig Tree, dürfen aber sehr lange darauf warten. Gekocht wird an Bord.

Am nächsten Tag organisieren wir uns noch Wasser. Über Kanal 69 VHF melden wir uns an und bekommen bestätigt, dass das mobile Versorgungsschiff unterwegs sei. Wichtig dabei, erklären zu können, wo man sich in der großen Bucht eigentlich befindet. Eine halbe Stunde später legt sich ein Schiff mit Wassertanks und Kompressor seitlich an unserem Kat. Selbst Nachtanken wäre so möglich gewesen, unser Diesel ist aber ausreichend. Wir wollen uns schließlich per Segel fortbewegen. Morgens wird noch mal geschwommen, dann geht es auf Richtung Tobago Cays.

St. Vincent, Keartons Bay - St. Vincent, Grenadines