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Pula / Istrien

Eine Busstation kann ich nicht finden, aber ein Expressbus bietet seine Dienste für 5 Euro an. Kann man nicht übersehen. Leider fährt dieser nur bis zur zentralen Busstation, und mich mit den Reisemöglichkeiten bis zur etwas außerhalb gelegenen Marina auseinanderzusetzen, habe ich keine Lust. Es ist ja noch früh am Morgen.

Also schlendere ich mit meinem Rollkoffer durch die Innenstadt. Kroatien-typisch ist diese mit großen Steinen gepflastert. Habe ich nicht gelesen, dass die Touris mit ihrem klackklack-Rollkoffern aus Dubrovnik verbannt worden sind? Ich versuche, den Koffer weitgehend zu tragen, ist mir ja selbst unangenehm.

Das Amphitheater sieht großartig aus, dann trällert morgen Abend dort noch Eros Ramazotti... Den gibt es noch? Ausverkauft. Schade, sicherlich ein Ereignis, ein Konzert an diesem erhabenen Ort zu genießen. Egal. Ich möchte ja segeln.

Zwei Familientörns stehen an, das bedeutet für die Planung, dass ausreichend Badezeit einkalkuliert und Landgänge nicht ganz so hoch im Kurs stehen. Ich lasse mir von Skipper Jörg, der seine Touren in Pula beendet hat, noch einige wichtige Tipps geben. Vor allem baut er die Brücke zu unserem sympathischen Betreuer Alex von Kiriacoulis Yachtcharter. Immer gut, einen Draht zur Basis zu haben. Ich bekomme noch ein paar Leinen gereicht, die ich zur Entlastung der Ankerkette verwenden kann, eine Ankerkralle gehört nicht zur Standardausrüstung. So kann ich aber mal den Wasserpalstek testen, von dem ich vor meiner Reise gehört habe. Guter Knoten, kann ich schon mal sagen.

Der Anflug auf Pula lässt die Vorfreude wachsen, das Revier Istriens mit seinen vorgelagerten Inseln zu entdecken. Fliegt man doch vom Meer direkt über die Landstriche, die wir in den nächsten 2 Wochen bereisen werden. Das sieht sehr verheißungsvoll aus. Der Flughafen ist einer der kleinsten, die ich in Europa je gesehen habe, außer der obligatorischen Norwegian Air - Maschine ist kein Flugzeug am Hangar. Seit meine Tochter in Norwegen wohnt, verfolgt mich diese Fluggesellschaft.

Abends geht es dann in eine Ankerbucht hinter der Insel bei Medulin. Der Ankergrund hält, ist aber eher „mud“ als Sand, wie wir beim Aufholen sehen.

Nach dem Abendessen schallt Musik zu uns herüber. Und ich lerne das, was ich längst hätte wissen müssen: Überlege Dir gut, ob Du den 18-jährigen anbietest, sie mit dem Dinghi ans Ufer zu fahren und sie nach Beendigung der Exkursion, wann immer das ist, abzuholen. Als ob man nie 18 gewesen sei.

Nachdem ich eingenickt war, kam der Anruf in stockdunkler Nacht. Außenborder an und los geht es. Gar nicht so einfach, sich zwischen den vielen ankernden Schiffen durchzuarbeiten, die Orientierung fällt schwerer als gedacht. Dass der Dinghi-Motor dann ausgeht und sich nicht überreden lässt, wieder anzuspringen, kommt erschwerend hinzu. Keine Chance, gegen den Wind anzupaddeln. Also zurücktreiben lassen und in Ruhe die nächsten Startversuche durchführen. Am Steg angekommen geht der elende Motor wieder aus.

Fantastisch, sich durch die vielen Festmacherbojen treiben zu lassen, zumal sie kaum erkennbar sind. Er springt nach dem x-ten Versuch wieder an, versagt dann aber 100m vor dem Ziel endgültig den Dienst. Zum Glück treibt uns der Wind genau zu unserem Schiff. Quintessenz: Nicht zu viel Gas geben, nicht jeder Honda mag das. Lüftung war auf, der Choke nur zum Start gezogen. Keine Ahnung, was dem Motor nicht so gefallen hatte.

Sonntagmorgen stechen wir bei bestem Wetter in See, an einigen Inseln südlich der Charterbasis wird der erste Tauch- und Badestopp eingelegt. Zur Hauptsaison ist es gar nicht so leicht, noch einen freien Platz zu finden, der Grund ist zudem relativ steinig. Das wird noch zu unangenehmen Manövern führen.

Nach dem beschaulichen Start nehmen wir uns am nächsten Tag einen weiteren Schlag vor. Ziel ist die kleine Insel Susak, die mit einer Ankerbucht im Nordwesten aufwarten kann. Auch hier sind wir wieder nicht allein, der nördliche Wind ist auch nicht ganz ideal, aber wir liegen fest und können das schöne klare Wasser genießen.

Die Route führt uns zur Insel Cres in das gleichnamige Städtchen. Die dortige ACI-Marina ist nicht ganz billig, verfügt aber über eine exzellente Sanitärbereiche. Ein kleiner Fußmarsch in die schöne Altstadt ist dann beinahe schon Pflicht.

Restaurants gibt es im tourististischen Bereich der Stadt ausreichend, bei einem weiteren Besuch haben wir die Konoba Roza auf Empfehlung hin ausprobiert. Etwas abseits gelegen und nicht am Wasser, kann man dort aber auch gut speisen. Gerade in den touristischen Bereichen darf man sich aber davon verabschieden, in Kroatien ein günstiges Reiseland gefunden zu haben. Kroatien hat ordentlich aufgeholt, wenn nicht gar gleichgezogen.

Einige Zeit nach dem Ablegen am Morgen werden wir von einer Gruppe Delfinen begleitet. Ein Schauspiel, dass jedes Mal die Crew und mich in den Bann zieht. Diese Exemplare haben ihren Spaß daran, vor unserem Bug zu schwimmen und tun das auch volle 5 Minuten. Welch ein Anblick! Bleibt nur die Frage, welche Art hier vor uns schwimmt. Vermutlich ist es der große Tümmler. Kein Wunder, dass wir hier auf sie treffen, schließlich ist das Gebiet Cres-Losinj Delfin Reservat mir einer Gesamtgröße von 526 km² das größte Meeresschutzgebiet der Adria.

Am Abend erreichen wir unseren Ankerplatz. Nicht ideal, die Windrichtung hat gedreht und wieder einmal ist das Ankermanöver nicht ganz leicht, bis er endlich greift.

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Nun aber endlich zur blauen Grotte, der Plava Grota. Ein Skipperkollege hatte mir den Hinweis gegeben, dass es dort so voll sei, dass er ungern einen Ausflug dahin unternimmt. Müssen wir aber versuchen!
Tatsächlich wird es eine Lektion in angstfrei ankern. Der steinige Grund ist gut sichtbar, der Anker hält bei wenig Windbelastung, aber unser Schwojradius ist zu groß. An der felsigen Küste gibt es sogar einen Metallstab, den wir als Festmacher für die Landleine verwenden können. Fühlt sich besser an, aber... es ist doch wirklich eng! Ich musste mich überzeugen lassen, die Wache aufzugeben und selbst einmal in die Grotte einzutauchen. Beeindruckend, durch das manchmal richtig kalte Wasser zu schwimmen und dann in die dunkle Grotte vorzudringen. Eine Lampe ist dabei nicht schlecht. Erreicht man den Hauptraum, kann man von außen das Licht wundervoll blau schimmern sehen. Ein Hinaustauchen ist auch möglich, aber das erspare ich mir mal.

Der Abend soll uns nach Mali Losinj führen. Die Marina ist voll, die Mitarbeiter am Funk machen dies nicht gerade freundlich deutlich. Wir sollen alternativ seitlich an einem für große Schiffe vorgesehenen Kai festmachen. Warten, warten... wir sind schon sehr nah am angepeilten Liegeplatz, fährt einfach ein Motorboot und macht dort fest. Charakterstark, wahrlich. Aber das bestätigt nur meine unerschütterliche Meinung über Personen, die mit so einem Schiff unterwegs sind. Da kann ja grundsätzlich was nicht stimmen.

Angrenzende Marinas haben auch keinen Platz. So bleibt nur der westliche Teil, in dem man den Anker werfen darf. Viel Platz ist nicht, unser Nachbar in der Marina Cres macht sich wieder auf, hat aber Schwierigkeiten, den Anker zu bergen. Der Grund ist sehr felsig, also aufpassen. In der Nähe eines „Ankern verboten“ Schildes machen wir fest. Ein umgekehrter Anker ist das Zeichen dafür, hier muss man etwas aufpassen. Im Gegensatz zu unseren Gewohnheiten ist hier kein roter Strich markiert, der das Verbot deutlich macht. Kurz darauf wird auch schon vom Hafenmeister abkassiert. So ganz erschließt sich mir nach der vorhergehenden Behandlung nicht, warum man an dieser Stelle bezahlen soll. Aber damit legitimieren wir unseren Ankerplatz. Einmal rutscht der Anker dann doch noch. Ein schweres Revier für sicheres Ankern.

Auf nach Unije. Dort soll es wunderschöne Ankerplätze, aber auch Bojen zum Anlegen geben. Tatsächlich, kristallklares Wasser, der Anker greift ausnahmsweise mal gut, ein toller Badestopp. Abends geht es dann in das Ankerfeld Maračol.

Kein billiger Spaß mit 70 Euro, aber das Festmachen unter Hilfe der Marineros ist ein Erlebnis. Ich habe mir erklären lassen, wie wir festmachen sollen, die Boje ist schnell erreicht.

Was wir dann aber für ein Makramee zaubern mit den Festmacherleinen, die wundersamerweise vom Boden hochgezogen werden, erschließt sich mir nicht. Die Männer geben uns Anweisungen und irgendwie haben wir dann die Klampen mit 4 Festmacherleinen belegt.

Dem gemütlichen Beisammensein nach ausgiebigem Schwimmen steht nichts mehr im Wege, abgesehen davon, dass ich unseren Nachbarn beinahe höflich auffordern muss, seinen furchtbaren Dieselmotor mal abzustellen. Aber der Krach und Gestank zum Abendessen geht gar nicht, auch wenn mir klar ist, dass man seinen Batteriehaushalt auffrischen muss.

Am morgen kommt ein Schlauchboot längsseits. Bäckerservice! Großartig, genau das Richtige für unser Frühstück. Allerdings hat der Spaß seinen Preis... Ich bin mir nicht sicher, wieso für ein paar Brötchen und Gebäck über 40 Euro anfallen. Geschmeckt hat es trotzdem, ein origineller Spaß ist es sowieso. Der Abschluss führt uns noch einmal gen Norden in der Kvarner Bucht. Vorher noch ein Ankerstopp in Susak, der mich aber nicht ganz so überzeugt hatte. Schön, ja, aber nicht außergewöhnlich. Eine Nacht haben wir noch in Martinsica verbracht. Die Kommentare auf Navily drehten sich überwiegend um die ungestümen Winde, die dort vorherrschen können.

Viel Platz zum Ankern haben wir nicht, finden aber ein akzeptables Plätzchen in der Nähe des Hafens. Allerdings soll der Ankergrund an dieser Stelle nicht gut halten. Die Crew macht einen Landgang, mir schwant schon etwas beim Blick auf die Entwicklung des Wetters - der Wind soll über Nacht zunehmen.

Als die Crew mit dem Dinghi anlegt, frischt der Wind auch pünktlich auf. Ankeralarm an und dann zur Nachtruhe begeben. Schlafen kann ich nicht, weil die Böen aus verschiedenen Richtungen zu kommen scheinen. Immer wieder muss ich mich orientieren und peile die Landmarken nach einigen neuralgischen Punkten. Um halb zwei kommt es so, wie es kommen musste...

Wir bewegen uns deutlich nach achtern, der Anker ist ausgebrochen. Ich schmeiße den Motor an, die Crew kommt auf Deck, um mit anzupacken. So sieht vorbildliche Seemannschaft aus. Wir fahren in etwa an die Stelle, an der wir vorher gelegen haben. Kein einfaches Unterfangen in der Nacht und den vielen Booten, die sich dort niedergelassen haben. Etwas Mut verlange ich unserem Steuermann ab, da wir recht nah an ein anderes Schiff müssen, um dort den Anker zu platzieren. Erwartungsgemäß dauert es etwas, bis der Anker greift, wir sind schon wieder etwas weit nach Westen gedriftet.

Die Hafeneinfahrt haben wir querab, sicher nicht der beste Platz, andererseits wird in diesen kleinen Hafen mitten in der Nacht schon keiner ein- oder ausfahren. Weit gefehlt, um 5 Uhr kommen zwei Fischerboote an, kommen aber gut an uns vorbei.

Sonnenaufgang Kvarner Bucht
Sonnenaufgang Kvarner Bucht

Wir hatten vereinbart, vor Sonnenaufgang aufzubrechen. Über 20 Knoten Wind, damit lässt sich doch etwas anfangen. Die Segel sind gesetzt, etwas achterlichen Wind und dann... unglaublich, wir sind frei von der Ankerbucht und der Wind schläft abrupt ein, lässt sich nur noch als laues Lüftchen bezeichnen. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Und hat uns, zumindest mir, eine schlaflose Nacht bereitet.

Am frühen Nachmittag liegt Istrien vor uns. Der Wind ist wieder da, wir können wunderbar segeln und fahren Richtung Norden. Von weitem ist schon die häßliche Zementfabrik zu sehen. Ein Frevel an der Natur, anders lässt es sich leider nicht sagen. Selbstverständlich halten sich die Segler von diesem Ort fern, dafür gibt es ja ausreichend schöne Orte und Buchten. Ich sehe auf Navily, dass direkt daneben eine schöne Ankerbucht ist. Verträgt sich das mit der Fabrik und den Lastern, die man dort herumfahren sieht?

Und wie! Die Bucht von Brovinje würde ich glatt als Geheimtipp deklarieren.

Bevor wir unsere Reise Richtung der Marina von Pula beenden, steht noch eine Übernachtung in meiner Lieblingsbucht an. Die Uvala Karvan ist wie üblich leer, dabei ist es so ein schöner Ort. Wieder sehne ich mich nach einem Besuch der Frankys Bar, ein kleines kioskartiges Gebäude mit Blick auf die Kvarner Bucht. Beim nächsten Mal, das habe ich mir fest vorgenommen, wird das Dinghi zu Wasser gelassen und an der felsigen Küste angelandet.

Der Anker liegt wieder mehr auf Grund als er sich eingegraben hat, der Wind hält sich aber mal wieder zurück. Man muss auch mal loslassen können... Und tatsächlich war es eine ruhige und erholsame Nacht.

Am letzten Seetag geht es noch zur Tankstelle in Medulin. Leider etwas zu spät angekommen, wir haben ein paar Yachten vor uns. Andererseits ein Spektakel, die teilweise haarsträubenden Manöver zu beobachten (wenn sie weit genug von uns entfernt stattfinden). Natürlich muss ein Schiff in Bewegung sein, damit man es steuern kann. Aber wenn alle auf der Stelle stehen und sanft schaukeln, ohne ihre Position zu verlieren, warum müssen dann einige mit 3 Knoten hin und her ballern? Auch hier gilt... einfach mal locker bleiben. Nach meinem Geschmack etwas zu locker waren wir allerdings bei der längeren Einfahrt durch den Medulinski Zaljev. Da wird es schon ziemlich flach, mit über 2 Meter Tiefgang sollte man sich nicht zu nah ans Ufer wagen. Alles noch mal gutgegangen.

Ein letzter Abstecher zur Dinosaurierinsel Fenoliga. Paläonthologische Funde von Fußabdrücken und gar Dinosaurierknochen machen diesen Ort mysthisch. Wir schmeißen ein letztes Mal den Anker und befinden uns an einer engen Stelle für den Schiffsverkehr. Der ist an einem Freitagnachmittag mehr als ordentlich befahren, die Charterschiffe sind alle auf dem Weg zur Heimatbasis, auf der anderen Seite mahnt eine Untiefentonne zur Aufmerksamkeit. Ich bleibe lieber mal an Bord, kurz vor Ende der Reise muss nun wirklich nichts mehr schiefgehen. Neugierig wäre ich aber schon, ob man die Fußabdrücke dort noch bewundern kann oder der Stein abgetragen in einem Museum ausgestellt wird. Das bleibt bis auf Weiteres für mich ein Geheimnis.

Das Boot angelegt, ein bisschen nah an den Muringleinen der anderen Schiffe, aber es ging doch ohne Einfädeln. Und obwohl das Restaurant in der Marina ganz ordentlich ist, kann man einen Fußweg auf sich nehmen, um zum Restoran Škuža zu gelangen. Sonnenuntergang inklusive, nur das nächste Mal wird früher reserviert, damit man näher am Wasser sitzen kann. Gutbürgerliche Küche würde man es bei uns nennen, aber mit tollen kroatischen Speisen.

Ein toller Abschluss einer tollen Reise. Wir sehen uns wieder, Pula!