
Helsingør nach Karlskrona
Die Reise
Reisebericht Familientörn
Nach Emilys Abiturfeier geht es nun wieder mit der Bahn nach Greifswald, die Tuulikki war lange genug allein. Wie nicht anders zu erwarten liegt sie ruhig in Ihrer Box. Nicht ruhig hingegen ist es auf der anderen Seite der Wieck. Die zuvor beschriebene Holzklappbrücke feiert ihr 135-jähriges Bestehen mit einem nautischen Brückenfest. Na, da werden wir doch gleich mal vorbeischauen.
Abfahrt aus Greifswald
Allerdings sind wir spät dran, der offizielle Teil der Veranstaltung ist gerade zu Ende gegangen und die üblichen Verdächtigen halten sich am Bierschiffchen fest. Da stellen Ingo und ich uns gleich mal dazu. Schnell kommt man ins Gespräch, dann heißt es aber schon nach nur einem Getränk, dass kein Verkauf mehr stattfindet. Es war doch gerade so gemütlich geworden. Ob wir denn noch ein Freibier haben wollen. Schwer, an dieser Stelle nein zu sagen, haben wir doch die ersten netten Kontakte hergestellt.
Irgendwie wurden es dann noch 2 weitere Freibierrunden und mir wurde das langsam peinlich. Also eine Spende für die Jugend des Heimatvereins. Das hat uns wohl ordentlich Sympathiepunkte eingebracht, als nächstes haben wir für unsere Tour einen großen Pack Brötchen bekommen und eine der unverkauften Bierkisten wurde uns inklusive Lieferservice ans Boot auch offeriert. Ich war wirklich bewegt, wie freundlich man uns in Greifswald begegnet ist!


Das ich dann auch mal diesen supertollen Hund halten durfte, weil Herrchen mal austreten war, hat dem noch die Krone aufgesetzt. Und genau in dem Moment kommen Paul und Lea von ihrem Spaziergang wieder und werden von ihm freudig begrüßt. Lea hat mich auch gleich gefragt, ob ich jetzt einen neuen Hund hätte. Nichts geht über Harry - aber den Knuffel hätte ich schon gerne mitgenommen!
Nachdem am nächsten Morgen die Bierkiste pünktlich geliefert wurde, konnten wir nach dem Bunkern unserer Verpflegung im nahegelegenen Einkaufsmarkt, den wir per Bus angesteuert hatten, auch schon loslegen. Die Windvorhersage war ordentlich, so konnten wir uns wiederum über Lohme schon einmal in Position für den Sprung nach Bornholm bringen. Diesmal haben wir uns in unserem dortigen Lieblingsrestaurant Daheim einen Tisch reserviert, es war doch um diese Jahreszeit dort recht betriebsam.
Rechtzeitig die Leinen los, Segel hoch und los geht es. Die achterliche Welle ist ordentlich, aber wie gewohnt lässt sich die Tuulikki Suuri wunderbar handhaben. In der Törnvorbereitung habe ich in den NfS (Nachrichten für Seefahrer) schon gelesen, dass es auf unserer Route eine Sperrzone gibt, in der Vermessungsarbeiten für das Errichten eines neuen Windparks stattfinden. Diese wurde aber nur mit einer Position und nicht mit einem Bereich deklariert. Dann fahren wir halt besser mal nicht dort direkt drüber, aber zu viel Abstand können wir uns auch nicht gönnen, damit der Wind nicht komplett achterlich einfällt. Ein kleines unfreiwilliges Übungsmanöver haben wir schon abgeleistet, als die Genua die Seite wechseln wollte und sich aufgrund der nicht durchgesetzten (ehemaligen) Luvschot drei Runden um das Vorstag gedreht hatte. Immer mal was Neues...
Da waren wir gerade so schön unterwegs, wurden wir auf einmal auf Kanal 16 angesprochen. Da gab es wohl noch Klärungsbedarf bezüglich des weiteren Kurses.
Auf nach Bornholm
Also die uns angesprochene Sea Eagle angefunkt und schon einmal auf zu erwartenden Kurs gehen. Merkwürdigerweise wurde ich von der Sea Eagle nicht erhört. Hatten wir gestern nicht auch eine Situation, in dem wir ein Boot angefunkt und keine Reaktion erhalten hatten? Das beunruhigt. Ist die Sendeeinheit des Funkgerätes defekt? Zwischenzeitlich hatte die Sea Eagle bereits ein Schiff hinter uns (ja, ist denn schon wieder Regatta) über Funk darüber informiert, dass es einfach der Tuulikki Suuri folgen soll. Die Kurskorrektur war somit schon einmal richtig.
Dennoch blieb das Problem mit dem Sprechen über das Funkgerät. Noch einmal über die Handfunke Kontakt aufgenommen und siehe da, wir konnten gemeinsam den Kanal wechseln und uns über die empfohlene Route austauschen. Eigentlich nur den Kurs zwei Seemeilen halten und danach konnten wir uns wieder frei bewegen.
Mit Eigner Sebastian haben wir sofort besprochen, welche Instandsetzungsmaßnahmen erfolgreich sein könnten. Ich habe mir aber selbst davon abgeraten, das gesamte Gerät aufzuschrauben und kalte Lötstellen zu beheben. Vielleicht hilft die Reparaturmaßnahme, die man früher bei einem Röhrenfernseher angewandt hat. Sanfte, aber nachdrückliche Schläge auf das Gehäuse. Und was soll man sagen. Es hat funktioniert. Für ein halbes Jahr, wurde mir berichtet.
Da war sie dann - die Insel meiner seglerischen Sehnsüchte. Die erhoffte Landabdeckung war leider kaum vorhanden, zumindest hatte die Welle nachgelassen. Im Hafen Allinge waren doch einige Masten zu sehen, zwei Segler sind vor uns auch gerade am Einlaufen. Mal sehen, was uns da so erwartet.
Von ordentlich aufgereihten Boxen keine Spur, Kreuz und quer haben die Yachten im Päckchen festgemacht. Nachdem wir zur Sicherheit den Heckanker noch entfernt hatten, haben wir mit Hilfe der internationalen Crews sauber festgemacht.
Durch Ingo, der hier schon mehrere Urlaube verbracht hatte, hatten wir einen perfekten Reiseführer. Von Allinge muss man nur einmal quer über die Insel, um die beeindruckende Mittelalterfestung Hammershus zu erreichen. Dies war auch die windzugewandte Seite, die uns gleich einmal gezeigt hat, dass bei 7 bft ein Hafentag nicht die schlechteste Entscheidung ist.
Paul hat sich dann noch beim Klippendiving am Moseløkken Stenbrud profiliert, die nicht ganz so warme Ostsee haben wir noch für einen Badeabstecher genossen und schon ging beim Abendessen ein erlebnisreicher Tag auf Bornholm zu Ende. Bornholm! Endlich geschafft.
Unser Bestreben, einigermaßen zeitig den Hafen zu verlassen, wurde dadurch eingebremst, dass die wegversperrenden Yachten erst einmal auslaufen mussten. Wie üblich waren einige interessante Manöver zu beobachten, dazu gleich noch mehr.
Also auf nach Hanö!


Am nächsten Morgen noch ein Blick aufs Wetter... Wind aus westlicher Richtung 5 - 6 bft, perfekt für den weiten Schlag nach Bornholm. Sollte es diesmal tatsächlich gelingen, das seit Jahren bestehende Sehnsuchtsziel zu erreichen? So oft habe ich es schon versucht, aus unterschiedlichen Gründen ist es bisher nicht gelungen. Bei einigem Regatten "Rund Bornholm" durfte ich ja schon einen Blick riskieren, aber ich wollte auch endlich mal die Füße auf Land bekommen!
Schon kam der nächste Segler herein und machte längsseits an uns fest. Im Laufe der Stunden konnten wir beobachten, dass die Wasseroberfläche vor lauter Booten kaum noch zu sehen war. Man hätte es wagen können, von der einen Hafenseite über die Decks der Schiffe bis zur anderen Seite zu gelangen. Gut, dass wir einen Tag Aufenthalt eingeplant hatten. Hier kommt man ohne Weiteres nicht mehr raus.




Frühzeitig Aufstehen hat beim Segeln oft seine Vorteile. Sollte man damit die Möglichkeit des frühen Beginns seiner Tagesetappe verbinden, so wird man in Allinge dafür einen Dämpfer erfahren. Aus diesem Leinen- und Knotenwirrwarr kann man sich erst befreien, wenn wenigstens einige der an einem festgemachten Yachten gestartet sind. Schön wäre es auch, für etwaige Manöver ein paar Fuß Platz zu haben.
Andererseits kann man dann teils abenteuerliche Ablegemanöver beobachten. DER KANN DOCH JETZT NOCH NICHT EINDREHEN, DER RAMMT DOCH MIT SEINEM HECK DAS NEBEN IHM LIEGENDE SCHIFF!
Solch Anfängersätze kommen einem über die Lippen. Der alte Seebär steuert ohne mit der Wimper zu zucken sein Boot mit beeindruckendem Schwung steuerbords, ein oh nein! und Ächzen geht durch den Hafen. Und dann: Nichts passiert, er fährt weiter, aber das muss ganz knapp gewesen sein. Ein Zuruf "Das war am Heck aber mächtig knapp" quittiert er nur trocken mit "Habe ich gesehen". Nun ja, der Glaube daran fehlt mir, aber wer hat nach einigen Hafenmanövern nicht auch schon enge Aktionen fabriziert. Ich werde es mir aneignen, ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Ob man es nun gesehen oder einfach nur Glück gehabt hat - was ändert das für die Anderen :-).
Über den wieder voll einsatzfähige Funkgerät hören wir einer eigenartigen Konversation zu. Irgendeine Rescue-Einheit funkt rege mit einer anderen Station. Als Paul entdeckt, dass es sich hierbei um einen Hubschrauber der SAR handelt, war seine Neugier geweckt und er hat den Vorgang interessiert verfolgt und beobachtet. Und tatsächlich: Auf einmal ist der Hubschrauber in unserer Nähe entlang geflogen.


Überfahrt der Hanöer Bucht
Schneller als erwartet lichten sich die Reihen. Dann mal los, die fünf bis sechs bft sehen doch ganz ordentlich aus. Ein Segelfreund hat mir respektvoll von der Hanöbugten berichtet, uns zeigt sie uns von der lebhaften, aber verträglichen Seite.
Bei den Windverhältnissen kommen wir abermals gut voran und reiten bei 7 ktn Geschwindigkeit über die Welle, die sich innerhalb der letzten beiden Tage aufgebaut hat.
Nach einigen Stunden Fahrt nimmt der Wind leicht ab, das mag auch an der Landabdeckung von Schweden liegen. Oh, stimmt ja, wir sind in Schweden. Dann kann ich gleich mal aufs Vorschiff und die schwedische gegen die dänische Gastlandflagge austauschen.
Am Horizont ist das heutige Ziel zu erkennen. Mich erinnert es an Skull Island aus dem King Kong - Film. Tatsächlich werden wir dort einigen Tieren, mit denen wir dort nicht gerechnet hatten, begegnen.
Zum Glück verzieht sich die beeindruckende Wolkenformation nach einiger Zeit und wir können den Hafen von Hanö mit einer eleganten Schleife anlaufen. Allerdings bemerken wir, dass es auch hier ziemlich voll ist. Ein paar Kreisel gedreht und wir entscheiden uns für einen mittelprächtigen Liegeplatz, an dem wir seitlich anlegen.
Die sympathische Hafenmeisterin, von der ich bereits viel Lob bezüglich Ihrer Hilfsbereitschaft im Internet gelesen hatte, begrüßt uns auch sogleich und macht uns darauf aufmerksam, dass unsere Wahl nicht so günstig ist. In der Nacht soll es noch einmal auffrischen, und wir bekommen an dieser Position den Schwell direkt ab. Aber wohin?
Auf Ihren Rat hin dürfen wir uns an den Fähranleger festmachen, allerdings müssen wir diesen Platz bis zum Eintreffen der ersten Fähre vom Festland verlassen. Also noch einmal umgelegt, prima, der Weg zu den Duschen und dem Restaurant am Pier haben wir somit minimiert. Wir genießen ein tolles Abendessen im Hanö Hamnkrog, laut website "Hanös absolut bästa restaurang". Das unterschreiben wir sofort, auch wenn es vermutlich das einzige Restaurant auf der Insel ist...
Danach müssen wir unbedingt noch einen Inselrundgang machen, die Unternehmenslust von Lea, Paul und Ingo ist nicht zu bremsen. Und natürlich müssen wir den höchsten Punkt der Insel mit 60 Höhenmeter erklimmen. Dort verrichtet der Hanö Fyr sein Werk, er gilt mit einer Tragweite von 23xm als einer der lichtstärksten Leuchttürme der gesamten Ostsee.
Auf dem Weg dorthin begegnet uns Damwild. Erst ein paar, dann ganze Gruppen. Es wohnen wohl mehr Rehe und Hirsche auf dieser Insel als Menschen. Ein beeindruckendes Panorama beglückt uns noch zum Tagesabschluss. Eine wirklich tolle Insel, bei der der Besuch des englischen Soldatenfriedhofs von 1812 natürlich nicht fehlen darf. Ein Kreuz und einige Steine markieren den historischen Ort. Anschließend geht es durch das Unterholz und der Begleitung einiger Hirsche wieder an Bord. Morgen steht die letzte Etappe an.
Nach gutem Start lässt der Wind etwas nach. Einige Spinnaker werden gezogen, unserer liegt zum Leidwesen von Paul noch unangetastet im Vorschiff. Wie war das noch mal... Bei einem One-Way / One-Day-Törn mit der Bootsgemeinschaft haben wir den Spinnaker gesetzt, allerdings war das ein langwieriges Manöver und ich kann mich leider nicht mehr so recht erinnern, was wo angeschlagen, welche Schoten wo zu ziehen sind. Und in nicht allzu weiter Entfernung geht es schon durch kleine Inseln. Also lassen wir das, auch wenn ich ein wirklich schlechtes Gewissen hatte.
Unsere Regattapartner, ich meine die anderen mitsegelnden Yachten, hatten mit ihrem Spinnaker Vorteile. Aber beim Einholen konnten wir wieder Strecke gutmachen und hatten uns vor sie gesetzt. Nun konnte auch die Tuulikki wieder ihre Geschwindigkeitsvorteile nutzen.
Es gibt einige Alternativen, um nach Karlskrona zu kommen, wir haben uns für die nördliche Route entschieden, um tiefer in die Inselwelt einzutauchen.


Rechtzeitig vor der Fähre geht es wieder aufs Wasser. Wir verabschieden uns von den Nachbarn, einer Schwalbenfamilie, die in den Reifenpollern brüten. Hoffen wir, dass die Fähre immer vorsichtig anlegt, damit die Mietwohnung nicht allzu sehr erschüttert wird.
Die letzte Etappe nach Karlskrona
Während wir richtig gut unterwegs waren, der Wind hatte wieder aufgefrischt, kam eine eigenartige Biegung des Fahrwassers und eine Schwenkbrücke. Müssen wir uns davor östlich halten? Nein, da geht es nicht weiter. Also auf Halbwindkurs und die Seekarte zu Rate ziehen. Unfassbar, da war wirklich eine Brücke eingezeichnet, das hatte ich... nun ja, übersehen. Großartig. Nun konnten wir eine halbe Stunde lang hin und her cruisen. Vor der ermittelten Durchfahrtszeit wollten wir die Segel nicht runternehmen, wie das die anderen Schiffe getan hatten.
Langsam nähern wir uns dem Hafen von Karlskrona. Ereignisreiche und wunderschöne Tage gehen zu Ende. Nach dem Anleger und der Suche nach einem geeigneten Liegeplatz geht es erst einmal zum Tanken. Viel motort sind wir ja nicht.
Dafür aber das Motorboot vor uns an der Tankstelle. Ringsherum ist es ziemlich flach und das Warten nervt. Drei mal müssen die Herrschaften an die Zapfsäule, um weiteren Sprit freizugeben. Gähn... Wofür die fast 20 Minuten gebraucht haben, benötigen wir nur deren 5. Und die Erkenntnis, tatsächlich nicht viel Nachbunkern zu müssen.
Auf zum letzten Schlag und den Liegeplatz. Die Tuulikki Suuri ist fest und auch wir haben wieder festen Boden unter den Füßen.
Wie es sich gehört, hilft man noch beim Anlegen einlaufender Schiffe. Oh, da ist der lustige Finne wieder mit seinem Boot, da muss ich doch noch meine bescheidenen Finnisch-Kenntnisse anwenden.
Warum hat unser Nebenmann die Segel wieder gesetzt und bewegt sich direkt auf die Brückendurchfahrt? Nachdem auch die anderen Schiffe klar Ihren Kurs ebenfalls geändert hatten, nehmen wir schnell die Segel herunter und lassen den Jockel volle Fahrt machen. Da waren wohl die Brückenöffnungszeiten im Internet nicht richtig, zumal die Angabe "10 Minuten nach jeder vollen Stunde" eigenartig war. Also doch zu jeder vollen Stunde. Als Letzter passieren wir die Brücke, man war so nett und hat auf uns Trödelfritzen gewartet.
Wir kommen ins Gespräch. Unseren Bootsnamen erwähne ich in dem Zusammenhang ebenfalls, ist ja eine gute Gelegenheit, mit einem Finnen Kontakt aufzunehmen. Und tatsächlich: Oh, wir haben Euch schon in Allinge auf Bornholm gesehen und per AIS getrackt! Er hat mir noch ausführlich erläutert, dass es sich hier um einen kleineren starken Wind handelt. Eine tolle Begegnung!
Und mit einer tollen Begegnung endet auch dieser Bericht. Immer wieder eine Freude, mit Kaleu einen Abend lang Klönsnack bei der Bootsübergabe zu halten. Der obligatorische Gammeldansk darf natürlich nicht fehlen, auch wenn ich immer noch am Überlegen bin, ob das jetzt lecker ist oder nicht...
Segeln
Erlebe unvergessliche Segelabenteuer mit mir.
Blog
Über
skipper.marco@murena.io
+49-162-5401120
© 2024. All rights reserved.
Impressum
Social Links? Kein Facebook, kein X, kein Instagram. Solche Plattformen haben in meiner Welt keinen Platz.